Zum Leben zuwenig, zum Sterben zuviel

J_KovacsLiebe ÖVP. Liebe Grüne ■ Es wäre an der Zeit sich einzugestehen: Wir können es nicht. Wir verstehen es nicht. Ein Teil von uns will es auch nicht.

Ein Kommentar von Joachim Kovacs

Hunderttausende haben unverschuldet ihren Job verloren oder verdienen seit Monaten weniger. Ihr sprecht von Hilfen und lobt eure Gönnerhaftigkeit, dabei geht es hier um Entschädigungen. Geld das den Menschen zusteht.

Ihr zeigt in eurer Sprache und eurem Tun, dass ihr die Lebensrealitäten der meisten Menschen nicht versteht. Eure Politik ist aufgebaut auf Almosen und blinde Gefolgschaft, statt auf Selbstermächtigung und Soziale Gerechtigkeit.

Ihr agiert wie der Geldadel im Mittelalter, der dem hungernden Volk die Suppenküche schickt. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel. Ihr lebt gedanklich in euren Schlössern hinter den Mauern der Schickeria und in Boboville und habt keine Vorstellung, wie es Menschen geht, die schon vor der Krise zu wenig Einkommen zum Auskommen hatten.

Einmalzahlungen für die Einen, eine Mehrwertsteuersenkung durch den Sieb auch für Mc Donalds, Starbucks, Amazon und Co. So schaffen wir diese Krise nicht. Die Steuer-, Sozialversicherung- und Kreditstundungen werden spätestens Ende des Jahres fällig. Da wird es dann erst ordentlich krachen. Gibt’s dann den nächsten Mitleids-100er?

Oder starten wir doch irgendwann mit der notwendigen Umverteilung des Reichtums? Es braucht eine massive Entlastung der niederen Einkommen, eine Entlastung des Faktors Arbeit und spürbare Solidarabgaben der Reichen.

Ich weiß schon, es ist alles viel besser als türkisblau. Und es ist das, was mit der ÖVP möglich erscheint.

Und genau weil alle so denken, regiert die ÖVP nun schon ununterbrochen seit 33 Jahren. Es wäre an der Zeit, aus diesem Kreislauf auszubrechen und mutig das zu fordern, was notwendig ist.

Ich habe 2018 einen Schlussstrich als Funktionär gezogen. Ich habe mich danach gefreut, dass es bei den Wahlen wieder bergauf ging. Ich habe sämtliche Anfragen von JournalistInnen nach meinem Rückzug unbeantwortet gelassen, weil ich eben nicht nachtreten wollte. Ich habe über ein Jahr nichts kommentiert und geschwiegen, weil ich dem Comeback der Grünen eine Chance geben wollte. Heute bin ich desillusioniert. Mir ist das zu wenig. Ich bin die Ausreden leid. Sie kommen mir alle so schrecklich bekannt vor.

Aber hey, die Umfragen sind doch gut.  Ja, das waren sie auch ein Jahr vor der Wien Wahl und wir wissen was 2015 passiert ist. Ja, das waren sie auch nach der Wahl Van der Bellen und ein Jahr später sind die Grünen aus dem Parlament gefallen. Maßgeblich daran beteiligt, die die jetzt wieder das Sagen in der Partei haben. In diesem Sinne viel Glück. Ihr werdet es brauchen.

Genauso wie die Menschen, die aktuell von euch im Regen stehen gelassen wurden.

Joachim Kovacs, der Burgenländer ist ehemaliger Landessprecher der Österreichischen Grünen in Wien und Tenniscoach im steirischen Hartberg. Im August 2018 gab er seinen Rückzug aus der Politik bekannt.
uhudla.redaktion©gmail.com

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