Ostbahn Kurti lebt

© Eine Festteilnehmerin

Hommage für Günter Brödl Willi Resetarits und seine sechs Musikanten Kollegen gaben sich die Ehre und ließen im Wiener Orpheum den Kurti Ostbahn hoch leben.

Von Martin Wachter

Eigentlich ein trauriger Anlass, aber eine um zwei Jahrzehnte verspätete „schene Leich” für den genialen Texter und Schriftsteller Günter Brödl. Selbiger war vor 20 Jahren überraschend mit 45 Jahren verstorben.

Vorangegangen war dem musikalischen Spezial-Ereignis eine kryptische Einladung an die Ostbahn-Kurti-Fangemende …

… „Geschätzte Kurtologinnen und Kurtologen!

Es  naht der 10. Oktober 2020. Vor 20 Jahren ist der Trainer Günter Brödl gegangen, nicht ohne einen reichen Schatz zu hinterlassen. Das Gedenken an den Schöpfer des Ostbahn Kosmos muss zelebriert werden. Seine Exzellenz der Kurtl steht samt seinen Vertrauten an einem geheimen Ort bereit, wenn nötig auch maskiert!

Selbst dann werden wir alle handelnden Personen mit den Ohren sehen können. Liebe Adressaten, diese Botschaft muss geheim bleiben und darf nicht weiter verbreitet werden. Es ist ja kaum Platz – wegen dem Virus.
Müch und Alkohol werden vorhanden sein” …

Am Abend des 10. Oktober war dann quasi „Familientreffen” in der Kulturstätte in Transdanubien – typisch Ostbahn und charakteristische Kurti Zeremonie von und mit Willi Resetarits. Mehr braucht über den Gig jenseits der Donau nicht gesagt und geschrieben werden. Die TeilnehmerInnen sind schweigsam und genossen das Schmankerl eines hochwertigen Kultur- und Musikgenusses.

Nachfolgend eine Kurzbiographie über den „verhinderten” Gast der Veranstaltung:

Günter Brödl, der Ostbahn Erfinder
Wikipedia:
In den Siebzigerjahren begann Günter Brödl als Radiomoderator der Ö3-Sendung Die Musicbox. Er befasste sich dort vor allem mit der amerikanischen Rockmusik.

Sein erstes literarisches Werk Der kühle Kopf – ein Erzählband – erschien 1975. 1976 folgte das Theaterstück Zum Freundschaftspreis und 1977 Draußen in der Stadt, das 1978 vom ORF als 18-teilige Fernsehserie verfilmt wurde. 1978 erschien sein Buch Click Clack – Wiener Rockstories.

1979 tauchte in Günter Brödls Theaterstück Wem gehört der Rock n‘ Roll? erstmals die Figur des Ostbahn Kurti auf. Weil ihm Ostbahn Kurti, im Stück eine Nebenrolle, so gut gefiel, erfand er für diese Kunstfigur auch gleich ihre ganze Biografie.

Ostbahn-Kurti hatte angeblich bereits zwei LPs produziert und es erschienen immer wieder Songtexte in diversen Zeitungen.

Auch die Musicbox brachte ein Ostbahn-Interview. Um seine Story noch glaubwürdiger zu machen, gab Brödl Anzeigen auf wie „Suche erste Platte von Ostbahn-Kurti!“, sprayte auf Autobahnbrücken „Kurt Ostbahn lebt!“ und veranstaltete am 1. April 1983 ein „Sold out“-Konzert der fiktiven Rockband „Ostbahn-Kurti & die Chefpartie“.

Nach einem weiteren Theaterstück – Schlafstadtkinder schlafen nicht (1979) – und dem Roman Tempo City (1982) traf Günter Brödl 1983 den Musiker Willi Resetarits, damals Mitglied der Band Schmetterlinge, mit dem er dem Phänomen Ostbahn-Kurti Leben einhauchte.

Fortan übertrug Brödl amerikanische Rock-Klassiker ins Wienerische; so wurde zum Beispiel aus „Sharp Dressed Man“ Neiche Schoin und aus „I Heard It Through The Grapevine“ Wo hamma denn den Foaschein. 1985 erschien die erste LP Ostbahn Kurti & die Chefpartie, gefolgt von unzähligen Live-Konzerten, bei denen Brödl zunächst als Beleuchter, dann als legendärer „Trainer“ immer mit von der Partie war. Von 1985 bis zu seinem plötzlichen Tod am 10. Oktober 2000 verfasste er sämtliche Songtexte für Ostbahn-Kurti & die Chefpartie und später für Kurt Ostbahn & die Kombo, welchselbige auf insgesamt 20 Tonträgern erschienen sind, von denen acht erst nach Brödls Tod veröffentlicht wurden.

Weiters verfasste Günter Brödl die sechs Ostbahn-Kurti-Kriminalromane Blutrausch (1995), Hitzschlag (1996), Platzangst (1997), Kopfschuß (1999) Peep-Show / Trainer & Trash ermitteln (gemeinsam mit Peter Hiess, 2000) und Schneeblind (2002, posthum veröffentlicht).

1997 kam eine Blutrausch-Verfilmung (Regie: Thomas Roth) ins Kino, für die Brödl auch das Drehbuch verfasst hatte. 1998 erschien sein Liederbuch Ostbahn: Auslese.

Brödl schrieb auch Songtexte für andere Musiker, darunter Minisex, Denk, Babsi Balou, Klaus Trabitsch und Mom & Dead. Er übersetzte außerdem zwei Asterix-Bände ins Wienerische (Da grosse Grobn und Da Woasoga).

1993 fand beim Donaufestival Amstetten die Uraufführung seines Stücks Dynamo Donau Blues, Bluesical statt, 1999 übersetzte er fürs Wiener Schauspielhaus das Musical Hotline to heaven und im selben Jahr wurde sein Musical Be-Bop A Lulatsch ’59 im Wiener Metropol uraufgeführt.

Des Weiteren arbeitete Brödl mit dem Graphiker Ronald Putzker zusammen. Mit ihm schuf er die Comic-Serie Anna Stein und den Band Rehpublik Österreich (2000) – ein fiktiver Reiseführer durch die Rehpublik Österreich, in der seit 100 Jahren das Reh „rehgiert“.

Am 10. Oktober 2000 verstarb Günter Brödl im Alter von nur 45 Jahren in seiner Wohnung in Wien am plötzlichen Herztod. Neben seiner literarischen Arbeit war er einer der profiliertesten Musikjournalisten Österreichs. 2001 wurde er für sein Lebenswerk posthum mit dem Amadeus Austrian Music Award geehrt.

Ostbahn Kurti & die Chefpartie: Arbeit (Ostbahn XI) – YouTube

Text: Günter Brödl

Es is no finster und
Da hear i eam scho
Er redt nix und huast vü
Warmt Kaffee am Rechaud
I lieg no in da Hapf’n
Wann de Tür draußt geht

Weil in die Arbeit
In die Arbeit
Kummt ma net zu spät
Weil in die Arbeit
In die Arbeit
Kummt ma net zu spät

Vorbei an de hoch’n Häuser
Voller z’sammg’stauchte Leit
Zeascht mit’n Rad’l, dann mit’n Moped‘
Aufs Auto spart er bis heit
Er is bald derrisch von da Hock’n
Und er is blind fürs Leb’n

Weil in da Arbeit
In da Arbeit
Muaß ma ollas geb’n
Weil in da Arbeit
In da Arbeit
Muaß ma ollas geb’n

Wann er ham kummt, is finster
Da Tog is vurbei
Er hat tan, wos zum tuan is
Weil des muaß so sei
Er redt nix und huast vü
Er wü sei Ruah und sein Tee mit Rum

Weil des Leb’n is Arbeit
Und de bringt eam um
Jo weil des Leb’n is Arbeit
Und de bringt eam um

Hmhmhmhm
Hmhmhmhmhmhm
Hmhmhmhm
Hmhmhmhmhmhm

Musik nach Bruce Springsteen

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