Hilfreiche Solidarität in Corona-Zeiten

© Elisabete Rodrigues. Das „Notspital” in Portimao

Portugiesische Verhältnisse Am Südwestrand der EU kämpft ein Land mit den Folgen der Pandemie. Deutschland und Österreich leisten Hilfe. Internationale Unterstützung ist gut, in diesen Fällen aber fragwürdig.

Von Martin Wachter Lisboa

Portugal ist nicht im Krieg, obwohl Politik und Medien diesen Zustand teilweise so vermitteln.

Österreich sollte helfen und Bundeskanzler Sebastian Kurz weniger verkünden

Der österreichische Kinder-Deportierer und Presse-Kanzler Sebastian Kurz hat Anfang Februar angekündigt, fünf Covid-Intensiv-Patienten und fünf anders schwer Erkrankte mit einem Bundesheer-Transporter von Portugal nach Österreich einfliegen zu lassen.
Die Motivation von Kanzler Kurz könnte die mediale Begrüßung, der aus Portugal eingeflogenen Patienten beflügelt haben. Auch seine Verteidigungsministerin und die „Habt Acht” stehende schwarze Parteikollegin Claudia Tanner könnten dann wieder an der Seite von Kanzler-Wastl durch die Fernsehbilder stöckeln. Aber Sebastian Kurz hat die Rechnung ohne die in Portugal verantwortlichen PolitikerInnen gemacht. In Lousitanien sind sozialdemokratische Sozialisten an der Macht. Die Mitglieder der Antonio Costa Regierung legen scheinbar keinen Wert auf eine Zusammenarbeit mit Österreich.

Die Reaktion auf das aktionistische Hilfsangebot aus Wien: Die Gesundheitsministerin Marta Temido betont, eine Entsendung von portugiesischen Covid- oder anderen Patienten ins Ausland werde nicht erwogen. Diese Maßnahme wäre „nur eine letzte Lösung“. Es gibt noch eine Reserve an Betten in nicht ausgelasteten Privatspitälern – zehn Prozent der vorhandenen 10.000 Betten sind mit Covid-Erkrankten belegt. Das bundesdeutsche Team ist in einem Privatspital tätig!
Fazit: Hilfreich wäre die Entsendung von portugiesich-sprachigem medizinischem Personal.

Das Bild zum Artikel zeigt ein kurzfristig eigerichtetes Krankenhaus in einer fussballgrossen Messehalle in Portimao/Algarve im Süden des Landes. Dort stehen 100 Betten für Patientinnen bereit, zehn Intensiv-Pflegebetten könnten jederzeit eingerichtet werden. Anfang Feber 2021 waren nur 33. PatientInnen zur Behandlung anwesend.
Vielleicht gibt es auch in Österreich portugiesisch sprechende Menschen, die für diese herausfordernde Arbeit geeignet wären und helfen möchten – bei guter Bezahlung. Das wäre sicher eine finanziell günstigere Variante. Bundeskanzler Sebastian Kurz schweigt jetzt lieber, nachdem seine RegierungskollegInnen aus Portugal auf Grund seines Vorschlags nicht gleich Freudentänze aufgeführt haben.
„Helfen statt reden!” – die bessere Unterstützung.

Es gibt noch ausreichend Platz in Spitälern, nur das benötigte Personal ist Mangelware

Deutschland erscheint mit schwerem militärischen Gerät auf der Bildfläche: Die Luftwaffe brachte am 3. Februar 2021 mit zwei großen Transport-Flugzeugen 8 ÄrztInnen und 18 medizinische PflegeFachleute sowie 50 Beatmungsgeräte und 150 Krankenbetten nach Lisboa. 

Bereits Tage vor der „Militärmission” haben sich in Deutschland tätige portugiesische ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen unaufgefordert für einen Einsatz in ihrer Heimat gemeldet. Die deutsche Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswehr-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat keinen Wert auf eine zivile Hilfs-Aktion gelegt.

Die Troika, aus EU-Kommission, EZB und IWF und der damalige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble haben in der Finanzkrise um 2010 auch für Portugal einen harten Sparkurs erzwungen. Im Bildungs- und Gesundheitswesen wurde ein Drittel der Kapazitäten vernichtet und ein Teil der öffentlichen Krankenanstalten wurde privatisiert. Nun rächt sich dieser radikale Sparkurs. Besonders in der Intensivpflege gibt es einen großen Mangel. 4,2 Intensivbetten stehen pro 100 000 Einwohnern zur Verfügung. Das ist EU-weit der letzte Platz.
Gut ausgebildetes Personal sucht wegen unterbesetzter Krankenstationen und den daraus resultierenden miserablen Arbeitsbedingungen, bei schlechter Bezahlung das Glück im Ausland. 2015 verließen 2.768 KrankenpflegerInnen und 707 ÄrztInnen Portugal. „Verfügbare Betten gibt es, aber das für die Pflege notwendige Personal können wir nicht mehr gewährleisten“, stellt Gesundheitsministerin Marta Temido fest. Sie zeigt sich bei der Ankunft der Hilfe aus der BRD am 3. Februar dankbar.

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