Der Kampf für den Frieden muss weitergehen

© AVANTE! Wochenzeitung der PCP

Höllenszenarium Gazastreifen ■ Zur Pause beim Abschlachten der Palästinenser. Der Artikel ist zwar nicht mehr ganz aktuell, da die Kampfpause im Palästina-Krieg bereits wieder abgelaufen ist, dafür aber ziemlich prägnant. Man kann ihn als Zeitdokument hernehmen.


Von Ángelo Alves Avante!, Wochenzeitung der portugiesischen kommunistischen Partei PCP, Nr 2608; 23. November 2023 übersetzt von Bruno

Zum Zeitpubkt der Abfassung dieses Artikels konzentrieren sich die Nachrichten über den Krieg in Palästina auf die Möglichkeit eines Abkommens zum Austausch von palästinensischen und israelischen Gefangenen, was mit einer Kampfpause von vier oder fünf Tagen begleitet sein soll.

Sollte dieses Abkommen, bei dem Katar und Ägypten eine bedeutende Rolle gespielt zu haben scheinen, wirklich zustandekommen, würde es eine ziemliche politische Bedeutung haben, denn Israel würde mit jemandem über die Freilassung  eines Teils (maximal 350) der 4.500 palästinensischen Gefangenen, die in israelischen Gefängnissen einsitzen, im Austausch gegen die Freilassung von 73 der 236 Gefangenen, welche der palästinensische Widerstand im Gazastreifen in seiner Gewalt hat, verhandeln, mit dem es niemals verhandeln würde, wie Israel in den letzten Wochen versichert hatte.

Gleichzeitig wäre die Verwirklichung dieses Abkommens ein erster, kurzer Hoffnungsfunke in dem authentischen Höllenszenarium, in das Israel den Gazastreifen ununterbrochen seit mehr als einem Monat verwandelt hat.

Sollte Israel die von der palästinensischen Seite gemachten Vorschläge akzeptieren, wäre es möglich, während vier oder fünf Tagen den Bombardements Einhalt zu gebieten und die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Treibstoff zu erlauben. All dies wäre positiv.

14.000 Menschen sind bereits im Gazastreifen gestorben


Andererseits würden Israel und seine Unterstützer die mögliche Rückkehr der Gefangenen dazu instrumentalisieren, um die Kriegspropaganda mit den Ereignisen vom 7. Oktober weiter zu betreiben und damit die in Palästina im Gange befindliche Barbarei zu rechtfertigen. Sie könnten darüber hinaus versuchen, dieses Abkommen dazu zu benutzen, um dem schon nicht mehr zu verschleiernden Ziel, die Besatzung palästinensischen Gebietes auszuweiten und eine Massenvertreibung der Palästinenser durchzuführen – ein finsterer „Fahrplan“, den man zu Recht immer mehr eine zweite Nakba nennen kann – , einen „humanistischen“ Anstrich zu geben.

Im Übrigen könnten die USA, die gemeinsam mit Großbritannien, Australien, Deutschland und Holland ihre eh schon gewaltigen militärischen Streitkräfte in der Region noch zusätzlich massiv verstärkt haben, um die Verbrechen und Pläne Israels zu schützen und zu unterstützen, versuchen, das Abkommen als Deckmantel für eine zynische und scheinheilige Rolle als „Vermittler“ in diesem Konflikt zu nutzen – auch durch Instrumentalisierung von humanitärer Hilfe – während sie in Wirklichkeit doch nur Komplizen Israels sind, Mitverantwortliche für die Massaker und Mitgestalter des Besatzungsplanes.

Entgegen dem wahrscheinlichen Bild, das durch die herrschenden Medien geschaffen wird, ist dieses beabsichtigte Abkommen weit davon entfernt, ein Waffenstillstand zu sein, der das Ende der Feindseligkeiten im Sinn hat. Wir hoffen ehrlich, dass wir uns täuschen, aber wenn man den faschistischen und kriminellen Erklärungen verschiedener führender israelischer Politiker und Militärs Rechnung trägt, dann wäre diese „humanitäre Unterbrechung“ nur eine kurze Pause bei dem dantesken Spektakel, das bereits 14.200 Menschen, darunter 6.000 Kinder, das Leben gekostet hat und 33.000 Verletzte forderte, von denen 75% Frauen und Kinder sind.

Die Bombardements im Süden des Gazastreifens; die kriminellen Taten der Siedler und der israelischen Streitkräfte im Westjordanland; die „Normalisierung“ der unbeschreiblichen Verbrechen in den Krankenhäusern, Schulen, Flüchtlingslagern und Einrichtungen der UNO; die Bombardierungen im Gazastreifen, im Westjordanland und im Süden des Libanons; das selektive Umbringen von Journalisten; all dies sind Zeichen dafür, dass das Massaker weitergehen soll.

Es handelt sich um eine authentische Barbarei, die unter dem Vorwand auf einen „terroristischen Angriff“ vom 7. Oktober zu „antworten“, ausgelöst wurde. Inzwischen gibt es zahlreiche Anhaltspunkte und Untersuchungen, die an den Darstellungen der Ereignisse an jenem Tag zweifeln lassen. Wir können nicht die Hände in den Schoß legen. Der Kampf für den Frieden im Nahen Osten und für die Rechte des palästinensischen Volkes muss, bedauerliucherweise weitergehen.

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