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Haudrauf und Nulltoleranz: Eine Weihnachtsgeschichte

© Karl Berger

Schwarze Integrationspolitik ■ Es ist ja so einfach, eingängig und logisch: Nulltoleranz als Lösung aller Sicherheits-Integrations- und Kriminalitätsprobleme zu fordern.

Glosse von Hansjörg Schlechter

Nur es ist eine Scheinlösung, die nirgendwo funktioniert hat. Es ist eine Ideologie und ein Mittel im Kampf gegen die Armen und Abgehängten.

Natürlich gibt es Integrationsprobleme,die müssen aber anders gelöst werden als durch Strafen und Abschiebung

Zur Weihnachtsgeschichte: 2016 habe ich mich bereit erklärt als Mentor einen afghanischen unbegleitenden Jugendlichen zu unterstützen. Die Familie wurde auf der Flucht auseinander gerissen, die Eltern landeten in Ungarn, der Jugendliche in Wien.

Betreutes Wohnen, Deutschkurse. Dann geriet der 16 Jährige auf Abwege

Drogen, Körperverletzungen, Straftaten. Gerichtsurteile, Bewährungshilfe, Aufenthaltsstatus prekär, keine Kleinigkeiten, ein klassischer Abschiebekandidat für Volkeszorn. Über ein Projekt im Integrationshaus konnte für den Afghanen eine Lehrstelle in einem großen Handelskonzern gefunden werden. Es gelang der Lehrabschluss, im Anschluss eine ständige Arbeitsstelle, die Mutter in Deutschland wurde Pflegehelferin, es gibt wieder Kontakt zur Familie. Mittlerweile sind die Straftaten getilgt. Es gab seit 2016 keine weiteren Delikte.

Kurve gekratzt, auch weil es vernünftige Integrationsangebote und engagierte Unterstützer gab.

Integration kann auch unter widrigen Umständen gelingen und ist auf alle Fälle vernünftiger als eine Politik der Härte.

Der Autor Hansjörg Schlechter ist Bewährungshelfer.

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