Die Fortuna war mir noch nicht gnädig

Walter_Salon
© Foto Wachter: Aufgenommen im Salon UHUDLA Anfang 2000er Jahre

Kurz & bündig ■ Ein Portrait über den AUGUSTIN und UHUDLA-Verkäufer Walter Wachter
Der Beitrag ist erschienen im AUGUSTIN Nr. 494; 11/2019

Ich bin beim Augustin seit Oktober 1997. Am Anfang habe ich Lokale gemacht, in der Mariahilfer Straße, Kärntner Straße, am Spittelberg, das ist relativ gut gegangen.
Vor der Euro-Umstellung bin ich am 23. Dezember durch den Weihnachtsmarkt am Rathausplatz gegangen mit 70 Augustin und 50 Uhudla, wie ich weggegangen bin von dort, habe ich 0 gehabt – alles verkauft.

Auch zum Punsch haben die Leute mich eingeladen, da hab ich gesagt: Nein, mit den Zeitungen in der Hand keinen Alkohol, und überhaupt trinke ich keinen Alkohol, du kannst mich zu einem Kinderpunsch einladen.
 Mein Verkaufsplatz ist beim Handelskai unten in der Halle, vis-à-vis von der Bäckerei. Der Zeitungsmann passt mir auf meine Sachen auf, wenn ich aufs Klo gehe und umgekehrt ich auf seine Zeitungen.

Ich steh seit zehn Jahren dort. Die anderen Plätze sind nicht mehr gegangen, und da musste ich mir einen fixen neuen Platz suchen. Ich verkaufe neben der Zeitung die Augustin-Bücher, Stimmgewitter-CDs und Vinylplatten, den Kalender.
 Heute verkaufe ich fünf bis sechs Exemplare wenn ich ein Glück habe, maximal zehn Augustin am Tag, Das kommt aber sehr selten vor, manchmal sind es auch nur zwei oder drei. Es ist auf der einen Seite wenig Verkauf, aber auf der anderen Seite bin ich doch wieder mit dem Umsatz zufrieden.

Das Einzige, was mir fehlt, ist das Schimpfwörterbuch Wiener Wut von Richard Weihs, das Max (Max Wachter, Herausgeber des Uhudla und der Buch-Edition Uhudla, Mitgründer des Augustin) herausgegeben hat. Das war ein Kassenschlager. Der Uhudla erscheint ja nicht mehr lange, weil Max aufhört. Ich habe ja den Augustin und den Uhudla verkauft früher.

Am 15. November bin ich am Leopoldimarkt in Melk und tu Maroni braten. Ich war bei verschiedenen Firmen als Maronibrater, auf der Mariahilfer Straße, in Floridsdorf. Die haben alle schon ihr Geschäft minimiert oder ganz aufgehört. Und so springe ich halt ein, auch bei meinem Bruder, weil der ist auch Maronibrater, in Krems hat er einen fixen Stand, und sonst mache ich mit ihm Catering und verkauf halt die Zeitung.

Ich schau eh, ob ich einen Job finde, aber mit 50 plus ist das eigentlich zu vergessen.
 Am Computer spiel ich ein bisschen. Wenn ich einmal Zeit finde, schreibe ich meinen Werdegang beim Augustin zusammen und würde das dann gern veröffentlichen, wenn es angenommen wird.
 Die Fortuna war mir noch nicht gnädig. Aber ich sag immer, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich habe Lotto und Euromillionen gespielt, wenn wieder Ziehung ist, schauen wir, ob ich gewonnen habe. Bei 110 Millionen kann ich den Augustin ein bisschen sponsern. Dann machen wir wieder den Opferball.
Protokoll: Jenny Legenstein

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