Wo Kaffee & Tee zu Hause sind

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© Walter Lohmeyer

Das Café Franze am Kutschker-Markt ■ Wir sitzen in seinem Café am Kutschkermarkt im 18. Wiener Gemeindebezirk. Nicholas Franze, das lebende Lexikon in Sachen Kaffee & Tee, erzählt: „Mein Faible für Kaffee wurde mir in die Wiege gelegt. Mein Großvater betrieb 1929 eine Rösterei – eine von vielen.

Damals gab’s in Wien zirka 500 Kaffee Veredelungs-Betriebe. Um dich zu behaupten, da musstest du einiges Wissen, Erfahrung und natürlich die nötigen Kontakte haben. Im Laufe der Jahrzehnte ging diese Branche aber „den Bach runter“.


Warum ist schnell erklärt: der vakuumverpackte Kaffee kam in die Supermärkte zu Dumping-Preisen. Die „Kleinen“ konnten einfach nicht mehr mithalten – rien ne va plus – das „Aus“ war vorprogrammiert.“

Wenn Du einmal Kaffee „riechst“, lässt dich dieser Geruch nicht mehr los

„Meine Leidenschaft zur Rösterei kam eigentlich, weil ich auf der Suche nach beruflicher Veränderung war. Damals war ich Assistent im jüdischen Museum in Eisenstadt und sollte jüdisch- russische Lyrik übersetzen und archivieren. Nicht das Erstrebenswerteste für einen Studiosus, einen angehenden Historiker. Da ich aber nebenbei als Kellner jobbte, lernte ich Franz Heissenberger,
einen bekannten Kaffeeröster in Wien kennen. Der bot mir einen Job an, ich nahm an und das Rad begann sich zu drehen. Wenn Du einmal Kaffee „riechst“, lässt dich dieser Geruch nicht mehr los; ich wurde (beruflich) „süchtig“. Obwohl ich, um ehrlich zu sein, vorher Tee viel lieber hatte. Vom Geschmack her, der Vielfalt der Sorten, des Aromas. Beim Entrollen eines Jasmin-Teeblattes, eines Yin Zhen, hat sich die Liebe zu diesem Edelgetränk noch verstärkt. Wie 1001 Nacht, ein Gedicht, eine Ode an den Gaumen”, schildert Nicholas Franze seinen Einstieg in die „Kaffee-Siederei”.
Zurück zum Kaffee, zu Nicholas Lehrjahre in Sachen Rösterei. „Wenn Du in diesem Metier Fuß gefasst hast, lernst Du all die Kapazunder kennen. Mit viel Engagement, und mit etwas Glück durfte ich all die großen Kaffeeländer bereisen. Ich habe dort gearbeitet, gelernt, und mein Wissen komplettiert. Honduras, Äthiopien, Puerto Rico, El Salvador, Nicaragua, Kolumbien, Panama und Jamaica. Die Kaffeeanbauer in diesen Ländern, so sehr sie sich auch voneiander unterscheiden, in Mentalität, Kultur etc. – alle wollen ihr Produkt als das Beste, das Aromatischste präsentieren und verkaufen. All die Mühe, die viele Arbeit, die Problematik durch Wetterstürze, ganze Anbaugebiete kannst vergessen, wenn das Klima verrücktspielt. Da lernst den Begriff „Fair Trade” kennen und schätzen. Die wissen wirklich, was es heißt, hart zu arbeiten. Jeder und jede sollte sich beim Trinken seines Früstücks-Kaffeesdarüber drüber Gedanken machen,“, erläutert Nichlas seine Kaffee-Philosophie.

Der Wunschtraum ein Markt-Café zu eröffnen wurde Wirklichkeit

Zu Deinem „Baby“ dem Café Franze, wie hast Du das geschafft?
„Tja“, er lacht, „die Idee kam mir eigentlich in Griechenland. Ich war ,beruflich, in einer der größten Kaffeeröstereien am Peloponnes. Die hat ihren Sitz mitten in einem Markt. Nicht nur, dass mir dieses Land besonders gefällt (ich selbst bin halber Grieche), sondern dieses Flair blieb ein Wunschtraum, der wurde immer größer und ich konnte ihn in Wien realisieren“, begründet Nichlas
seine Kaffeehaus Gründung.
Bettina, nicht nur der gute Geist, des Café Franze, sondern auch privat das große Glück von Nicholas, gesellt sich zu uns.
„Über die Umsetzung unseres Traums, dem Café, frag lieber sie. Sie war es, die den Grundstein legte, das leer stehende Objekt fand und, und… Ich muss, Produkt-beratend, kurz die Leine ziehen“, und Nichlas kümmert sich um einen Gast.
Derweilen erzählt Bettina über die Odyssee des Suchens eines geeigneten Geschäftslokals. Dann am Kutschkermarkt fündig geworden, die Umbauarbeiten, die Behördenwege. Schlussendlich: Première, die Eröffnung. Aber erst die Praxis zeigt, wo die Theorie nur als Schöngeist fungiert. „Da fehlt ein Schrauberl, dort lässt dich der Lieferant warten oder sitzen, hier verspricht dir eine Angestellte das Blaue vom Himmel, ist aber im Grunde nicht nur berechnend sondern einfach unehrlich”.
Bettina strahlt, trotz aller Stresshaftigkeit. Nicholas gesellt sich wieder zu uns.
Was plant Ihr beide denn noch für die Zukunft an Novitäten an Schmankerln für Eure Café-Tee Oase?
„Wir möchten Themenabende, Verkostungen und Lehrabende abhalten. Kaffee ist nicht gleich Kaffee und bei Tee, da gibt’s bei der Zubereitung so große Unterschiede, wie bei den Menschen selbst”, verlautbart Nichlas seine Zukunftspläne. „In zwei Jahren, möchte ich „Deine eigene Kaffeerösterei im Lokal“, ergänzt Bettina.
Das Café Franze hat über 20 verschiedene Kaffeesorten, 250 verschiedene Teevariationen, Frühstück (vegan, vegetarisch) und Mehlspeisen verschiedenster Art im Angebot für seine Gäste.

Café Franze – Am Kutschkermarkt
Schulgasse 25; 1180 Wien
Di.– Fr. 8-18; Sa. 8-15;
So. 9-16
www.franze.at

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