Abflug nach Manchester*

GLB
Knüppel aus dem Sack
Die Ryanair und Laudamotion wollen mit allen Mitteln einen  Betriebsrat  verhindern. Einen Kollektivvertrag mit Hungerlöhnen weit unter der Mindestsicherung und Armutsschwelle dafür unbedingt durchdrücken.

Dazu wird die Insolvenz- und Arbeitsplatzkeule und die Erpressung mit Drohgebärden, danach mit dem Mutterunternehmen noch aggressiver den Markt aufzumischen, ausgepackt“, erklärt der Vorsitzende des Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB (GLB), Josef Stingl, zum KV-Erpressungsversuch der Wiener Ryanair-Tochter Laudamotion.

Während sich die Gewerkschaft Vida gegen diesen Erpressungsversuch stellt, spielt „Sozialpartner WKO“ ein böses Spiel. Ihre Unterschrift zu dem vorgeschlagenen 848-Euro-Netto-Einstiegsgehalt für FlugbegleiterInnen steht schon unter dem KV-Vorschlag. Zum Vergleich: die Wiener Mindestsicherung liegt bei 917 Euro und die aktuelle Armutsschwelle bei 1.259 Euro.

„Wir haben eine Verantwortung, nämlich Jobs zu sichern, in denen der Arbeitsmarkt aufgrund der Corona-Krise unter Druck ist“, verkündet der Geschäftsführer der Berufsgruppe Luftfahrt in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Manfred Handerek, in einer OTS-Meldung. Nur ein halbes Jahr vorher beschreibt Dr. Rolf Gleißner noch die Position der WKO folgend: „Wirtschaftskammer und ÖGB haben vereinbart, dass bis 31.12.2019 kein Mindestlohn in einem Kollektivvertrag (KV) unter 1.500 Euro pro Monat liegen soll.“

„Damit ist der Knüppel ist aus dem Sack und es wird klar wohin die Reise geht: Mit dem Totschlagargument der Jobrettung will sich die WKO aus der Mindestlohn-Generalvereinbarung mit dem ÖGB schleichen und mit Löhnen unter der Mindestsicherung die SteuerzahlerInnen bei einem Teil der Lohnkosten – also einem versteckten Kombilohnmodell – belasten“, befürchtet Linksgewerkschafter Josef Stingl.

Der Ausweg sei eine klare Front gegen den Lohnraub: Mit einem klaren Nein, mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 15 Euro die Stunde und einem Start- und Landeverbot für Laudamotion und Ryanair beim Verharren bei ihren Ausbeutermethoden.

Manchester Kapitalismus:
Als Manchesterkapitalismus wird eine wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung während der industriellen Revolution in Großbritannien bezeichnet. Im Allgemeinen beschreibt der Begriff die Auswirkungen einer Wirtschaftspolitik, die sich vorrangig an der Interessenslage der Konzerne und Firmenbosse orientiert, eine Regulierung des Staates verhindert und soziale Probleme ausklammert.
Der Manchesterkapitalismus gilt als Inbegriff für Ausbeutung und Profitgier.

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