Little Franky, der Wiener King of Rock´Roll

Adieu „Little Franky”

Nachruf von Michael Graber „Little Franky”, Franz Kostmann, der Bruder von Michael Graber ist gestorben

Franz Kostmann wurde in London geboren. Warum in London?

Unser gemeinsamer Vater musste 1938 aus Wien flüchten, da den Nazis weder seine politische Tätigkeit als Kommunist noch seine jüdische Herkunft passten. Er und seine Frau Pepa und damit auch Franz überlebten Krieg und Faschismus in London.

Nach Wien zurückgekehrt, wuchs Franz in der von konservativer Kultur geprägten Nachriegszeit in Wien auf und er eckte von dem Moment an, als er als Jugendlicher die Rockmusik für sich entdeckte und hartnäckig und stur dabei blieb, auch gegen den Willen seiner Eltern und dem politischen Umfeld, dem er entstammte.

Ich lernte meinen Bruder auf Grund komplizierter Familienverhältnisse erst relativ spät kennen. Ich war Teenager, aber der um fünf Jahre ältere Franz war bereits Franky und die bekannte Figur in der Wiener Rock`n Roll Szene, als wir uns tatsächlich begegneten und kennenlernten.
Da Franky wenig von Schule hielt, das galt auch für Musiknoten, lernte er das Druckerhandwerk im kommunistischen Globus Verlag, wo es ihn aber nicht lange hielt und was aber auch umgekehrt der Fall war.

Franky blieb seinem Beruf treu und dieser Brotberuf verschaffte ihm eine beständige finanzielle Selbstständigkeit und Unabhängigkeit

Während des Tages stand er an der Maschine, die Nacht gehörte aber der Musik. Finanziell unabhängig, konnte Franky den Rock`n Roll spielen, den er mochte, und so konnte er sich auch dem Kommerz und den wechselnden Mainstreams in der Rock- und Popmusik entziehen und den subversiven Kern des Rock´Roll, insbesondere des schwarzen, bewahren und zur Geltung bringen.

Die bekannte Journalistin Helene Maimann schilderte in einem empathischen Porträt 1986 in der damaligen Zeitschrift „Wiener“ einen Auftritt Frankys aus ihrer Erinnerung aus den 1960er Jahren. Ich zitiere:

„Auf der Bühne zucken drei Figuren im Smokingjakett mit glänzenden Aufschlägen, die Gitarren lässig herumschwenkend, ein vierter bearbeitet das Schlagzeug, und vorne an der Rampe windet sich die Hauptperson. Schwarzrot kariertes Hemd, hautenge violette Hosen, die Füße in in den atemberaubend spitzen Milanos einwärts gekehrt wie Elvis himself, die schwarzen Locken mit der Gatschwelle brillantiert, das Gesicht von Koteletten eingerahmt. Das ist Little Franky alias Franz Kostmann. Er umklammert den Mikroständer mit der Linken, knickt wie ein Limbotänzer nach hinten, röhrt „Luciiile!, und die Mädchen kreischen entzückt.“

Soweit der Eindruck Heli Maimanns, der sicher nicht übertrieben geschildert ist.
Die damalige Band hieß „Little Franky and the Shamrocks“ . Viele andere Formationen in und mit denen Franky spielte, folgten, bis er 1982 „Pappas Hausband“ gründete, die 1985 in „Little Franky and the Townbeats“ überging.

Mit dieser Band feierte Franky seine größten Erfolge. Rock`n Roll und Franky wurden zu einem Synonym und viele feierten ihn als den Wiener King of Rock´Roll

Einer der Produzenten der Band resümierte die Arbeit mit Franky: “Little Franky also: Wie er die schrägsten Soli schon beim ersten Anlauf aus dem Ärmel, wollte sagen aus dem Gebläse schüttelt, ist faszinierend, absolut aufnahmereif. Wo nimmt er diese Inspiration her?“

Eine bekannte Tageszeitung zitierte Franky 1996 mit dem Satz:

„Sowas wie ich steht sonst im Naturhistorischen Museum neben den Dinosauriern. Ich bin ein echtes Rock`n Roll – Fossil. Schließlich stehe ich schon seit 1957 auf der Bühne“

Als Franky 2007 sein fünfzigjähriges Bühnenjubiläum feierte, konnte er auf gemeinsame Auftritte mit Tony Sheridan, Tommy Sands, Wee Willie Harris, Freddie Fingers Lee, Johnny Preston, The Coasters, Gus Backus, Andy Lee Lang und viele andere international bekannte Musiker zurückblicken. Besondere Erfolge feierte Franky mit der englischen Queen of Rock Jean Vincent, die die Band auch zu einer Englandtour einlud und mit der er bis zuletzt sehr gut befreundet war und die sich auch stets nach Franky erkundigte. Auftritte erfolgten u.a.auch in den USA, in der Schweiz und in Ungarn.

„Franky and the Townbeats“ traten am Donauinselfest, am Volkstimmefest und in der Wiener Stadthalle auf. Engagements von FPÖ-nahen Veranstaltern lehnte er dezidiert ab. Franky war und blieb ein wacher antifachistischer politischer Mensch.

Zuhause ging es ruhiger zu. Er lebte mit seiner Frau Lisi und zeitweise mit vier Katzen, wenn sie nicht gerade auf Reise waren, in der gutbürgerlichen Wohnung im achten Bezirk, bis 2009 Lisi nach einer Krebserkrankung 57jährig starb. Von dem psychischen Zusammenbruch, den Franky danach erlitt, hat er sich nie wirklich erholt, er konnte nicht mehr Saxophon spielen, seine Auftritte beschränkten sich daher auf seine Stimme, die aber noch lange Jahre die besondere Stimme blieb, die alle Fans von ihm kannten.

Schließlich machte sich Parkinson bemerkbar, die grausame Krankheit, die bis heute nicht heilbar ist und schrittweise zu immer gravierenderen Einschränkungen der Lebensqualität führt. Einige Jahre konnte Franky die Krankheit bei seinen Auftritten kaschieren, indem er seine Arme nicht unkontrolliert, sondern im Takt schwenkte.

Besonders möchte ich den Betreuerinnen danken, die Franky seit 2009 betreuten, insbesondere Ljuba, die Franky die letzten sechs Jahre lang und Tanja, die Franky die letzten drei schweren Monate rund um die Uhr mit großem Mitgefühl und Anteilnahme, mit Umsicht und Loyalität betreuten, den Haushalt führten und alle Krankenhaus- und Arztbesuche organisierten. Sie haben Franky einige Lebensjahre geschenkt.
Franky ist nicht mehr und die von ihm mitgeprägte Musikszene ist entsprechend ärmer geworden. Es bleiben uns die Erinnerung an zahllose Auftritte und an Tondokumente, die einer neuen Generation als Inspiration dienen können und Frankys Musik weitertragen werden.

Michael Graber ist Volkswirt. Er ist Mitgründer des Kommunistischen StudentInnenverbands (KSV). Von 1982 bis 1990 war er Chefredakteur der Tageszeitung Volksstimme. Bis 2020 war Michael Graber langjähriger Finanzreferent der KPÖ. Seit 2020 ist er Obmann des Zentralverbands der Pensionistinnen und Pensionisten Österreichs (ZVPÖ).

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