A Gstättn fian Hean Professa

Weberpark
© Karl Weidinger

Stefan Weber Park in Margareten Drahdiwaberl sei Dank gibt‘s seit Dezember 2019 den Stefan Weber Park wo Margareten auf Meidling stößt. Daneben das Elternhaus von Georg Danzer und visavis der Bruno Kreisky Park. Ein dreckiger Lokalaugenschein, wie er dem Herrn Professor gefallen hätte.

Von Karl Weidinger, erscheint im UHUDLA 113 @1 / 2020

Hier möchte man nicht mal tot überm Zaun hängen. Oder doch? Eine verkehrsumtoste Ruderalfläche zwischen den Gürtelfahrbahnen, an der Linken Wienzeile, unweit der U4-Station Margaretengürtel.

Die brachliegende Halde im Grünstreifen bildet eine Barriere, wo der Margaretengürtel auf den Gaudenzdorfer Gürtel trifft.  Der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft benannte 2019 diese „Gstättn“ nach Stefan Weber (* 8. November 1946, † 7. Juni 2018). Der verdiente Kunsterzieher, Musiker, Aktionist war Gründer der Underground-Rock-Punk-Gruppe „Drahdiwaberl“ und zeitlebens Ehrenpräsident des UHUDLA. Noch deutet nichts auf die zukünftige Pilgerstätte für Drahdiwaberl-Aktionados hin. Kein Denkmal, wo Tauben draufscheissen, weit und breit. Und auch noch keine Gedenktafel zum Bekritzeln und Anschmieren mit Fut und Beidl.

Früher war der von allen guten Geistern verlassene Ort ein Exerzierplatz der härteren Sorte. Hier befand sich auch ein Sportplatz, der in den 1980er-Jahren zugeschüttet wurde. Tiere und Pflanzen haben auf dem trockenen Boden ihre Chance genutzt. Sowas wie ein neuer Lebensraum ist entstanden. Die zuständige Magistratsabteilung spricht von – Achtung Originalzitat – „optisch betrachtet eine ideale Fläche für biologische Weidewirtschaft“. Das ist auch im ökologischen Sinn des Herrn Professors. Wenn die Krise sich verschärfen sollte, könnten hier auch Tiere gehalten werden: kleinere und größere Nager und Plager. Gebratene Tauben und/oder Singvögel aller Art.
Der Kollege von Stefan Weber, der Liedermacher und Ambros-Texter Georg Danzer wuchs hier auf. Dem Elternhaus am Gaudenzdorfer Gürtel 47 (Bild rechts) widmete er zwei Jahre vor seinem frühen Tod ein Lied.

„Am Gürtl staut si‘ da Berufsverkehr, I hear a Straßenbahn von weit weit her. I steh am Fenster und bin 14 Joahr und hättert so gern lange Hoar“ singt der im Jahre 2007 mit nur 61 Jahren verstorbene Barde Georg D. auf dem Album „Von Scheibbs bis Nebraska“.

Hupf in Gatsch. Wildnis in der Stadt. Vom Autostopp zum Austropop

Vor Ort tobt der Gürtelverkehr um die Hunde-, Basketball-, Fußball und Beachvolleyballzone. Alles Zone hier – auch im Käfig. Verkehr hat Vorrang. Fliegt ein Ball raus, ist die Hölle los. Auch wenn „Freedom“, also Freiheit, mit färbigem Lichtschlauch am Gatter steht. Auf der anderen Seite, sozusagen an der Seite von Professor Stefan Weber, etwas in Richtung Wienfluss versetzt, liegt der Bruno Kreisky Park. Auch nicht schlecht.

Die „Straßenbahn von weit her“ bezieht sich auf die Bim Nummer 6 oder 18. Der Mittelstreifen fiel – unter Kaisers Zeiten – so breit aus, weil die Stadtbahn (heute U6) vom Westgürtel (Westbahnhof) zur Südbahn weiter führen sollte. In dieser Gegend war das Klima immer schon etwas rauer als an anderen Orten, wie etwa dem Meidlinger Tivoli, wo sich die bessere Gesellschaft vergnügte.

Gaudenzdorf krallte sich am Wienfluss fest. Namensstifter war der Kirchenfürst Gaudentius Andreas Dunkler. Die Industrialisierung schuf 1855 Jobs im Gaswerk. Fabriken folgten, stellten Seifen und Kerzen her. Rund um den Wienfluss siedelten sich Manufakturen an, die hochgiftige Gerbereien betrieben. 1866 wurde die erste Gewerkschaft in Gaudenzdorf gegründet. Damit wurde es etwas friedlicher, weil organisierter. Und das führt schnurstracks zur Politik und dem berühmtesten Namensgeber in unmittelbarer Nähe.

Der Bruno Kreisky Park liegt am Außenrand des 5. Bezirks, eingefasst von Margaretengürtel, dem Wiental mit Wienfluss und U-Bahnlinie darunter, und der als Prachtallee geplanten Schönbrunner Straße. Offene Wiesen mit Mulden und alte Bäume bilden das Charakteristikum dieses Grünraums. Bis vor einiger Zeit gab es Hängematten zum Abhängen und Chillen zwischen den Baumriesen. Das dämpft den Verkehrslärm einigermaßen.

„Hanging around“ hieß diese Aktion von „Kunst im öffentlichen Raum“ und war eine Idee von Michael Kienzer. Zahlreiche Menschen flanieren hier herum und gehen spazieren. Nächtens dient der Grünraum notfalls auch zur Übernachtung. Am Tag finden viele Kinder aus der Umgebung finden hier einen sicheren Platz zum Radfahren und Herumtollen. Sozusagen der Pausenraum hier, zum Austoben von der harten Schule des Lebens in der Vorstadt, die der Herr Professor immer so hoch geschätzt hat.

„In diesem Haus lebte und starb Otto Glöckel (1874 – 1935). Er war der bedeutendste österreichische Schulreformer des 20, Jahrhunderts.“ Danzers Elternhaus hat also einen historischen Hintergrund. Der Schulreformer Otto Glöckel hat darin gewohnt und gelebt mit Gattin Leopoldine, einer sozialdemokratischen Frauenrechtlerin, bis ihn die Austrofaschischten ermordeten. Otto Glöckel und. Schon 1911 forderte Glöckel eine strenge Trennung von Religion und Schule.

Als Gegner von Bildungsprivilegien trat Glöckel für die Gesamtschule ein

E kämpfte gegen die kirchliche Vormachtstellung. Von den Austrofaschisten wurde er nach dem Putsch im Februar 1934, an dem Glöckel nicht beteiligt war, an seiner Dienststelle im Büro des Stadtschulrates verhaftet und ins Anhaltelager Wöllersdorf gebracht. Glöckel überlebte die Inhaftierung nur unwesentlich und starb wenig später an den Folgen an seinem Wohnort, am Gaudenzdorfer Gürtel 47, unmittelbar an der Seite vom neuen Stefan Weber Park.

Im selben Haus erblickte Georg Danzer 1946 als Sohn eines Magistratlers und einer Angestellten das Licht der Vorstadtwelt. Nach seiner Matura trampte er durch die Lande. Vom Autostopp zum Austropop, sozusagen. Oder „Von Scheibbs bis Nebraska“.
Die ersten Ausflüge führten in den benachbarten fünften Bezirk zu seiner „Dolli-Oma“ mütterlicherseits. Sie wurde von der Familie Danzer jede Woche am Samstagnachmittag besucht. „Es war ein fader Weg durch enge Gassen und uninteressante Straßen. Alles wirkte grau und tot und ohne Farben. Der Weg führte an vielen ausgebombten Häusern vorbei, an Ruinen und Schuttplätzen voller Bombentrichter, die mir abenteuerlich erschienen. Ich hätte große Lust gehabt, in diesen zerschossenen Mauerresten zu spielen, aber das war mir strengstens verboten“, schreibt Danzer in seiner Biografie.
Zu Danzers Zeit gab es Tschick-Arretierer. Bedürftige, die Zigarettenstummel mittels eines zugespitzten Stocks aufsammelten. „Der Tschik“ handelt vom Alltag eines Obdachlosen. Mit morbider Stimme verherrlichte er auch seine eigene Sucht. („A Glasl Rum steßt si söba net um, oda a Zigrettn kon si söba net otetn. Des hob i dem Tschik hoit voraus, is mei Leben nur mehr Tschik, dämpf i mi söba aus.“)

Dieses Zuviel an Realität kam nicht gut an. Bis zum Durchbruch mit „Jö schau, so a Sau“ war es noch weit. Und Danzer schrieb mehrere Soundtracks zu „Kottan ermittelt“ und spielte darin mehrmals als Stricher bzw. Transvestit mit. Und nicht nur das, er übersetzte Bücher aus dem Spanischen, blieb aber immer vorstädtisch bescheiden.

Die versuchte Aufwertung der Wiener Bronx mit viel Schicki und Micki

„Hupf’ in Gatsch“, „Fett wia a Radierer“, „Ruaf mi net an“ oder der legendäre „Wixerblues“ waren einige akustische Landmarken, die er auf etwa 400 Liedtexten setzte. In den letzten Lebensjahren machte Georg Danzer durch sein Mitwirken bei „Austria 3“ und sein umstrittenes Album „13 schmutzige Lieder“ von sich reden. Aber auch Texte, getragen von Melancholie und Trostlosigkeit. Wie jene Songs, in denen er den Selbstmord seines Vaters thematisierte.

Georg Danzer hatte hier seinen Ausgangspunkt in die Welt und kehrte etwa 15 Jahre vor seinem Tod nach Wien zurück, spielte gemeinsam mit Ambros & Fendrich etliche Konzerte zugunsten Obdachloser. Zur Jahrtausendwende übernahm er den Vorsitz von SOS Mitmensch, weil er sich immer schon gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus engagierte.

Auf dem Elternhaus ist die Gedenktafel für Otto Glöckel angebracht. Aber das wird sich bald ändern, an dieser unscheinbaren Nachtautobus-Haltestelle. Denn die Aufwertung der Region ist schon im Gange. Jetzt ist daraus im Zuge der Gentrifizierung ein Boutique-Hotel mit der Aufschrift „Das Gaudenzdorfer“ geworden. Sowas wie ein Apartementhaus mit Hotelservice, schick und elegant.

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