Hohe Wellen am schönsten Ort der Welt

Attasee

Freier Strand am Attersee ■ Spielende Kinder beim Baden, Jugendliche beim ausgelassenen Volleyballspielen am Sandplatz und Menschen, die im Schatten der Bäume den Sommer genießen. So sieht ein normaler Sommertag im Europabad der Sozialistischen Jugend SJ in Weissenbach am Attersee aus.

Von Larissa Zivkovic

Diese Anlage ist seit den 60er Jahren ein beliebter Erholungsort, speziell für Jugendliche. Landeshauptmann Thomas Stelzer und die ÖVP sind nun drauf und dran, den Jugendlichen diesen Ort zu nehmen und an reiche Privatkunden zu verkaufen.

Seezugänge gelten als Statussymbol für die reiche Gesellschaft und deshalb sind sie sehr begehrt und hart umkämpft.

Privatisierung – ÖVP betrügt die Allgemeinheit und belohnt die Reichen

Der feuchte Traum vieler wohlhabender Geschäftsleute ist, ein Feriendomizil an Seen wie dem Attersee, dem Wolfgangsee oder dem Mondsee zu besitzen. Dabei dienen die Grundstücke selten als Erholungsort, nein, viel mehr als die Möglichkeit, die Prestige zu steigern. Logischerweise werden Seezugänge somit seltener und auch teurer. So ergibt sich, dass der Attersee, der größte See Oberösterreichs, zu 76 % in privater Hand liegt. Nur 13 % des Sees ist öffentlich zugänglich und der Rest durch Berge generell nicht nutzbar. Bei anderen Seen ist die Lage teilweise noch schlechter.

Deshalb startet die SJ die Kampagne „Her mit den freien Seezugängen“. Diese soll die Missstände des verwehrten Seezugangs aufzeigen und Menschen dazu bewegen, gemeinsam für einen breitzugänglichen Erholungsort einzustehen. Denn die Jugendlichen der SJ sehen es als Pflicht, für den oft so genannten „schönsten Ort der Welt“ zu kämpfen. Die Sozialistische Jugend hat eine Petition für den freien Seezugang gestartet, für die es sich lohnt mit einer Unterschrift aktiv zu werden.

Zwei Holocaust Überlebende haben der SJ das Grundstück am See gestiftet

1963 wurde das Europacamp eröffnet. Das ermöglichte das Geschwisterpaar Pollak, welches den Holocaust überlebte und nach Wiedererhaltung ihres Grundstückes die Anlage der SJ vermachte. Seitdem herrscht dort der Grundsatz einer günstigen Urlaubsmöglichkeit für junge Menschen und deren Familien. Menschen mit weniger Budget können es sich somit auch leisten, einmal Urlaub zu machen. Ermöglicht wurde dies durch einen günstigen Pachtvertrag, der einst zwischen der SJ und dem Land Oberösterreich abgeschlossen wurde. Um 25 Schilling oder umgerechnet 2,80 € Miete pro Jahr konnte die SJ Jahrzehnte lang einen Freizeitort für Jugendliche anbieten.

Das kümmert die regierende Volkspartei in Oberösterreich nicht im Geringsten. Die ÖVP und der derzeitige Landeshauptmann Thomas Stelzer machen alles in ihrer Macht stehende – ob aus parteilichen oder persönlichen Interessen, lässt zu spekulieren übrig – um es für die SJ unmöglich zu machen, die Kosten für das Camp und den Badeplatz zu stemmen. Denn die damalige Abmachung und der Pachtvertrag werden missachtet, indem Thomas Stelzer die 100 000 – fache Miete für das Grundstück verlangt. Auch ohne ein Wirtschaftsstudium absolviert zu haben, ist nur unschwer zu erkennen, dass diese Kosten für eine Jugendorganisation untragbar sind und solch eine Forderung unanständig bis in den kleinen Zeh.

Ein Ort des Zusammenhaltens und der Solidarität geht verloren.

Das Europacamp bietet nicht nur Jugendlichen und deren Familien, sondern auch sozialen Vereinen einen Ort zum Erholen oder auch um sich Wissen anzueignen mit den unzähligen Workshop – Möglichkeiten am Camp. Außerdem sind das Europacamp sowie das gesamte Europabad barrierefrei gebaut und somit wirklich für alle Menschen zugänglich. Das macht das Europacamp so einzigartig. Denn selbst Menschen mit Behinderung werden nicht, wie so oft, ausgeschlossen und können genauso wie andere in ihrem Freundeskreis, ohne besonderen Aufwand an einem Campingurlaub teilhaben.

Die Sozialistische Jugend wird vor eine Wahl gestellt: die eine Möglichkeit ist, die Preise für das Campen massiv zu erhöhen und Eintritt für das bis jetzt kostenfreie Europabad zu verlangen. Der angestrebten Zielgruppe, nämlich jungen Menschen würde es natürlich somit verwehrt, einen leistbaren Urlaub zu machen. Die andere Möglichkeit ist das Camp sofort zu schließen und freizumachen für den nächsten Superreichen, der seine private Villa dann dort aufbauen lässt.

Die ÖVP zeigt, dass sie Politik für die Reichen und Schönen betreiben

Der Wunsch der Familie Pollak, Überlebenden des Holocausts, wird missachtet. Sie wollten Menschen mit weniger Einkommen, die Gelegenheit zur Erholung bieten an einem der schönsten Orte der Welt. Doch in Augen der ÖVP haben nur die sogenannten „Leistungsträger“ unserer Gesellschaft einen Platz an der Sonne verdient. Die durchschnittlichen Einwohnerinnen und Einwohner werden dabei außen vorgelassen. Wer nämlich 40 Stunden in der Woche in Bereichen wie in der Pflege, am Bau oder im Handel arbeitet, wird sich trotz schwerer Arbeit, ein Leben lang kein Grundstück am Attersee leisten können. Hierbei ist sehr deutlich zu erkennen, dass die Prioritäten der ÖVP nicht bei der breiten Bevölkerung liegen, sondern bei einigen Wenigen, die das nötige Kleingeld haben, für ihre politischen Anliegen zu bezahlen.

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