Auf nach Triest

© Mario Lang

Vorhangauf Tour Rad und Fahrer finden sich am Matzleinsdorfer Platz ein, um von der Triester Straße aus nach Triest zu reisen. Der sich im Umbau befindliche Verkehrsknotenpunkt ist gefühlt der unattraktivste Platz der Wiener Stadt.

Mario Lang, unterwegs mit dem „Bobo Porsche”

Rad und Fahrer biegen ab auf den EuroVelo 9 (Ostsee-Adria-Route). Alle Schrecken finden abrupt ihr Ende. Entlang Wiener-Neustädter-Kanals rollen die Räder entspannt der gleichnamigen Stadt entgegen.

  1. Tag: Dienstag, 17. September 2024
    Strecke: Wien, Matzleinsdorfer Platz/Triester Straße – Vösendorf – Traiskirchen – Wiener Neustadt – Pitten
    Streckenlänge: 78 km
    Die um einen Tag verschobene Abreise hat sich ausgezahlt. Dem Unwetter ist die Luft ausgegangen, die Himmels-Schleusen sind wieder dicht und die Sonne feiert ihre Wiederauferstehung. Rad und Fahrer finden sich am Matzleinsdorfer Platz ein, um von der Triester Straße aus nach Triest zu reisen. Der sich im Umbau befindliche Verkehrsknotenpunkt ist gefühlt der unattraktivste Platz der Stadt, die geschichtsträchtige Triester Straße, die hässlichste Stadtausfahrt.
    In monarchistischen Zeiten eine der wichtigsten Handelsstraßen Richtung Meer. In den Fünfziger-Jahren eine Sehnsuchtsroute Richtung Italien. Heute ein verkehrsreicher Höllenritt Richtung Einkaufstempeln. Nach einem kleinen Anstieg winken die historische Bildsäule „Spinnerin am Kreuz“ und der Favoritner Wasserturm wortlos zum Abschied. Ab Vösendorf stehen Sport-Riesen, Heimwerker-Märkte, Shopping-Paläste und Wellness-Pyramiden an beiden Fahrbahnseiten Spalier. Für die vorbeirasenden Benzinbrüder ist „Sicherheitsabstand“ ein nie gehörtes Fremdwort. Lebensgefahr bei jeder Radumdrehung. Bei Guntramsdorf wird die Triester Straße zur Wiener Straße, Rad und Fahrer biegen ab auf den EuroVelo 9 (Ostsee-Adria-Route). Alle Schrecken finden abrupt ihr Ende. Entlang Wiener-Neustädter-Kanals rollen die Räder entspannt der gleichnamigen Stadt entgegen. Bei der Stadtausfahrt drängt sich der Schneeberg ins Blickfeld und macht seinem Namen alle Ehre. Die nach all den Unwettern reissende Leitha wird überquert, entwurzelte Bäume zeugen von den Katastrophen der letzten Tage. Hin und wieder werden temporäre Straßensperren – Nur ein bisschen verboten! – überwunden, Gefahrenfaktor gleich Null.
    Das in Pitten angepeilte Bett ist bereits belegt und das Wirtshaus schließt um 17 Uhr. Als Alternative findet sich ein romantischer Garten-Zeltplatz samt Laube, die abendliche Küche bleibt kalt!

  2. Tag: Mittwoch, 18. September 2024
    Strecke: Pitten – Grimmenstein – Aspang-Markt – Mönichkirchen – Rohrbach an der Lafnitz – Hartberg
    Streckenlänge: 70 km
    Der frühe Vogel fängt den Wurm, um 9 Uhr morgens wird aufgesattelt. Die Felder rundherum sind alle bereits abgearbeitet und Berge von Baumstämmen werden in den unzähligen Holzverarbeitungsbetrieben der Umgebung in handelstaugliche Fasson gebracht. Links die Berge, rechts die vom Hochwasser verschont gebliebene Pitten, führt der Radweg beschaulich bis nach Aspang-Markt. Jetzt wartet der steile Anstieg auf den knapp Tausend Meter hohen Wechsel-Pass. Rad und Fahrer entscheiden für die weniger schweisstreibende Variante und nehmen den Linienbus. Rad gefaltet, Rad rein und 15 Minuten später die selbe Prozedur in umgekehrter Reihenfolge.
    In einem von allen guten Geistern verlassenen Tourismus-Ort bleiben die erhofften Ausblicke aus. Auch das mieselsüchtige Wetter unterstreicht das Stimmungsbild. Von jetzt an geht‘s bergab! Die Bundesländer werden gewechselt, auf Niederösterreich folgt die Steiermark. Im Geschwindigkeitsrausch wird die Abzweigung auf die Radstrecke übersehen und die nächsten Kilometer müssen auf der Bundesstraße bewältigt werden. Bei Rohrbach wird die verkehrsarme Route wieder aufgenommen. Bis Hartberg ist es jetzt nur noch ein Katzensprung. Auf die Vorfreude folgt eine herbe Enttäuschung: Der Campingplatz in Hartberg befindet sich gerade im Umbau, das Zelt wird trotzdem aufgebaut und die dringend nötige Körperpflege auf morgen vertagt.
    Das Stadtzentrum ist ausgestorben, Geschäfte ohne Kundschaft, ein Hauptplatz, das obligatorische Rathaus, die unvermeidliche Pfarrkirche, aber kein Leben. Das mitgebrachte Erfrischungsgetränk mundet trotzdem. Der Gewerbepark der Stadt ist weitaus belebter. Die Stammtischrunde der Hendl-Grillstation bevorzugt die flüssige Nahrung und hat schon mehr als genug davon. Zurück auf die Campingplatz-Baustelle, die dem Stadt-Hauptplatz nicht unähnlich ist – keine Menschen.

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