Der wilde Blues des Udo Proksch

© Alfred Pany. Katie Klein und Georg Biron

Lesung mit Musik ■ Im ’s Baumgarten wurde mit Autor Georg Biron und Musikerin Katie Klein der Magie der Worte gehuldigt, sei’s dichterisch geschrieben auf Papier, sei’s frei von der Leber weg bluesig gesungen – das gibt dem Publikum die Möglichkeit, seine ermüdeten Gehirnzellen wieder zu erquicken.

Von BLONDPRODUCTION  „Funky“ Renate Danninger

Und wenn ein großer Dichter wie Georg Biron das Hirnschmalz in Bewegung bringt, kann das schon mal mit einem Orgasmus zwischen den Ohren enden!´

Musikalisch sorgt die bezaubernde Katie Kern mit Gitarre und ausdrucksstarker Stimme für beste Stimmung

Georg Biron serviert als Einstiegshappen der erwartungsvollen Zuhörerschaft selbst verfasste Liedtexte, die dermaßen gehaltvoll sind, dass sie einen eigenen Abend wert wären – Publikum dankt’s und zeigt sich ehrlich ergriffen.

So hat er für seinen engen Freund Eric Burdon „Vienna Moon“ in Eric’s Sprache gedichtet und für Eric Trauner einen Witherspoon-Text in den Dialekt übertragen, der einprägsam zu „Es geht Eich an Schaas au“ wurde. Der „Kellerblues“ geht tief ins Gefühl, „Grabsteinland“ schildert augenzwinkernd die Liebe am Friedhof, der „Indianer“ erinnert an die 80er Jahre mit ihren Jugendaufständen, zu John Lennons „Imagine“ „stö da voa“ gibt es eine lustige Anekdote mit der gestrengen Yoko Ono und „Rosa Venus“ bietet den Höhepunkt als mörderische Rächerin von Weidlingau.

Und trotz Birons Versicherung: „Keine Angst, ich singe nicht“, bekommt man größte Lust, die Lieder vertont zu hören

Da kommt auch schon die lausbübische Katie Kern ins Spiel, die die Gäste des Penzinger Kulturwohnzimmers mit ausgewählten Blues-Covers und gelungenen eigenen Songs verwöhnt. Die „Bluesviertelstunde“ ist ein positiver Blaufärber, der wort- und saitenstark Emotionen weckt und durchaus Hitpotential hat, „Das Mädchen im Getriebe“ rührt mit Sozialkritik, „Der Kaufmann“ zeigt den Irrwitz der Wirtschaftswelt und „Good Girl“ lässt Katie romantisch und die Musik gänsehautschön werden.

Georg Biron erzählt noch gut gelaunt eine Jugendanekdote aus dem 14. Bezirk, einem blutigen Krimi gleich, die dem Publikum den Atem stocken lässt, währen Georg der Schalk aus den Augen blitzt. Natürlich hat er auch „Das wilde Leben des Udo Proksch mitgebracht, wovon er ein Kapitel zu Gehör bringt, bei dem die Zuhörer aus dem Staunen nicht mehr raus kommen.

Man kann den Ankauf des Buches nur wärmstens empfehlen! Ein feiner, stimmiger Abend der gehobenen Unterhaltung, der Dank Katie und Georg wie ein privates Fest vom Publikum genossen wurde.

’s Baumgarten Kultur Wohnzimmer

Buchtipp: Der Herr Udo – Das wilde Leben des Udo Proksch

Wer den Georg Biron kennt, wundert sich nicht, dass er mit Udo Proksch gut befreundet war, denn der Biron’sche Freundeskreis ist eine bunte Vielfalt, darunter jede Menge mehr oder weniger berühmte Größen aller Sparten.

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten war ohne Zweifel Udo Proksch, er hatte zu seinen Glanzzeiten beträchtlichen Einfluss auf die österreichische Politik- und Society-Landschaft. Hat er? Hat er nicht?? Das hat sich bei der Lucona-Affäre wohl jeder gefragt und auch Georg Biron wird das Rätsel nicht gänzlich lösen, dafür legt er eine äußerst facettenreiche Person frei, die vor allem durch blendenden Geist besticht. Mit dem Buch „Der Herr Udo” hält man ein fesselndes Zeitdokument in Händen, das sich teilweise wie der wildeste Krimi liest – Politiker waren halt zu allen Zeiten kriminellen Figuren zum Verwechseln ähnlich.

Der Herr Udo – bunter Hund und Demelbesitzer mit gewinnorientierter Lebensphilosophie, Frauenliebling mit leicht frauenfeindlicher Gesinnung und Pluhar-Gatte – lässt Hitlerpuppen als Watschenmänner aufstellen und will Würfel in Kugeln verwandeln.

Biron weckt wortstark im Leser das Staunen, wo überall der Herr Udo die Hände, aber vor allem das Hirn, drin hatte und die Vernetzung mit ranghohen Politikern ist damals noch ganz ohne Internet, also im echten (Nacht)Leben passiert.

Biron-Bücher sind samt und sonders stets Herz und Hirn erfrischend und diesmal ist Georg ein ganz spezieller Wurf gelungen.

Georg Biron
Der Herr Udo – Das wilde Leben des Udo Proksch
Wieser Verlag
ISBN: 978-3-99029-465-9
150 Seiten; Preis 21 Euro

Zum 20. Todestag von Udo Proksch erscheint ein sehr persönliches Porträt: Der Schriftsteller Georg Biron will es nicht glauben: Sein Freund Udo Proksch wird verdächtigt, ein Schiff gesprengt und sechs Seeleute ermordet zu haben, um eine gigantische Versicherungssumme zu kassieren.

„Udo Proksch hat sechs Menschen ermordet. Sechs Besatzungsmitglieder der Lucona, die im Indischen Ozean ihren Tod fanden, als das Schiff am 23. Jänner 1977 gesprengt wurde (…) Wer sich auf eine Spurensuche nach der vielleicht schillerndsten Persönlichkeit im Wien der 60er, 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begibt, sollte das nicht vergessen. Denn einfach ist es nicht, in der Erinnerung an einen Menschen klar zu sehen, der schon zu Lebzeiten über alle Maßen gestrahlt und geblendet, fasziniert und entsetzt hat.“
Anna-Maria Wallner in »Die Presse«

Georg Biron, Wiener Schriftsteller, Reporter und Drehbuchautor – Jahrgang 1958 – hat unzählige Kulturprojekte realisiert (z. B.: Qualtinger lebt!) und Preise (u.a. Theodor Körner Preis für Literatur) und diverse Kunststipendien erhalten.

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