Protestgesang schallt über’s Land

Nelken
© Journal „Avante”

Portugiesische Verhältnisse 25. April für Immer – Nie wieder Faschismus. Portugal feiert den 46. Jahrestag der Nelkenrevolution das erste Mal im Corona Virus bedingten Ausnahmezustand. Das ganze Land steht quasi still, es hält den Atem an.

Von Martin Wachter, Lisboa

Alle Fenster auf und den musikalischen Widerstand auf die Straße tragen. Eine neue Phase der Verteidigung der Errungenschaften der friedlichen Volkserhebung im Jahre 1974 steht auf dem Aktionsplan der Gesellschaft.


Die Finanzkrise vor zehn Jahren hat in Portugal tiefe Spuren hinterlassen. Der von Politik und EU zwangsverordnete Sparkurs hat für große Teile der Bevölkerung negative Auswirkungen auf ihre Lebensverhältnisse und enorme finanzielle Einbußen gebracht. Eine zweite Welle der Belastungen und Entbehrungen steht den PortugiesInnen bevor.

Den regierenden Sozialdemokraten und Kanzler Antonio Costa ist bewußt, dass die bescheidenen ökonomischen Erfolge der letzten Jahre und der Aufschwung im Lande auf dem Spiel stehen

Der fünf Wochen dauernde fast alles umfassende Stillstand bedeutet mit jedem Tag mehr gravierendere negative Folgen für das Volk. Die sozialdemokratischen Sozialisten, die kommunistischen GewerkschafterInnen und Mitglieder der KP, sowie alle fortschrittlich gesinnten Menschen im südwestlichsten Zipfel des Staates auf Festlandeuropa wollen am Samstag den 25. April zur Beruhigung der Lage allerorts singen. Fenster auf und „Grandola, Vila Morena”, lautet die gemeinsame Losung. „Avante”, die in Portugal weit verbreitete Wochenzeitung der KP, integrierte in der Mitte der aktuellen Ausgabe ein 35×60 cm großes Poster zum 25. April. Die oben dargestellte Illustration wird zahlreiche Fenster und Plätze im ganzen Land revolutionskünstlerisch verschönern.

An den Tagen danach wird es vorbei sein mit den Gemeinsamkeiten. Stetig lauter werdendes Murren über die Auswirkungen des verhängten und verhängnissvollen Ausnahmezustandes ist unüberhörbar. Das ruhiggestellte Volk fordert Auswege aus der Krise ein. Die massiv gestiegene Arbeitslosigkeit, die ständig zunehmenden arbeitsrechtlichen und in Zeiten des Corona Virus gesundheitsgefährdenden Verschlechterungen schaffen zusätzliche Unruhe.

Die regierenden Sozialdemokraten sitzen in der Zwickmühle. Das Volk verlangt Taten und Ministerpräsident Costa hat am Freitag einen Tag vor dem 25. April angekündigt, den Ausnahmezustand mit Montag den 4. Mai zu beenden. Gleichzeitig wurde die verschärfte „Osterwochenendregelung“ wiederbelebt -von Donnerstag den 30. April bis Montag den 3. Mai dürfen die BewohnerInnen ihre Heimatgemeinden und Wohnorte nicht verlassen. Diese Handlungen zeigen wie nervös und aufgereizt die politische Stimmung ist. Auch die Europäische Union ist schon lange kein Hoffnungsschimmer in Portugal. Die Regierung bemüht sich wohlwollende Signale nach Brüssel zu senden und hofft auf Solidarität und Hilfe aus Brüssel.

Nach dem Protestauftakt anlässlich des Staatsfeiertages am 25. April folgt mit dem 1. Mai ein weiterer Kampftag, vorallem für fortschrittliche GewerkschafterInnen und Werktätige

Viele PensionistInnen, SchülerInnen, Studenten, Jugendliche und Frauen, die durch die gegenwärtigen unzumutbaren Zustände in Lousitanien betroffen sind, werden aufbegehren. Stellvertretend für alle Bedrängten meldet sich Anabela Fino in ihrem Kommentar in der Wochenzeitung „Avante“ über die Beschwichtigungen des Regierungsteams zu Wort:

„Nein, es wird nicht in Ordnung sein. Es macht keinen Sinn, dieselben Fehler in der Hoffnung auf ein anderes Ergebnis zu wiederholen. Mit oder ohne Epidemie ist die Gesellschaft krank und Opfer eines Systems, das so unmenschlich ist, dass es keine Medizin gibt. Morgen wird es zu spät sein. Schon heute ist die Zeit reif für Kämpfe.”

Der kommunistisch orientierte Gewerkschaftsverband CGTP IN und Portugals KommunistInnen machen auch keinen Hehl daraus, wohin der Weg im schlimmsten Fall führen könnte. Deshalb haben sie vorsichtshalber auf ihren Plakaten festgeschrieben: „Nie wieder Faschismus – Es lebe der 25. April, für IMMER

Grândola Vila Morena
Zeca Afonso
https://www.youtube.com/watch?v=gaLWqy4e7ls

Grândola, vila morena
Terra da fraternidade
O povo é quem mais ordena
Dentro de ti, ó cidade

Dentro de ti, ó cidade
O povo é quem mais ordena
Terra da fraternidade
Grândola, vila morena

Em cada esquina, um amigo
Em cada rosto, igualdade
Grândola, vila morena
Terra da fraternidade

Terra da fraternidade
Grândola, vila morena
Em cada rosto, igualdade
O povo é quem mais ordena

À sombra duma azinheira
Que já não sabia a idade
Jurei ter por companheira
Grândola, a tua vontade

Grândola a tua vontade
Jurei ter por companheira
À sombra duma azinheira
Que já não sabia a idade

Grandola Vila Moreno
Franz Josef Degenhadt
https://www.youtube.com/watch?v=9jQOM2M_QiA
(Anmerkung der Redaktion. Es war einmal: In der Verfassung nach der Nelkenrevolution wurde ein „Sozialistisches Portugal” festgeschrieben.)

Grândola, sonnengebrannte Stadt
Heimat der Brüderlichkeit
Das Volk hat das Sagen
in dir drin, oh Stadt

In dir drin, oh Stadt
Das Volk hat das Sagen
Heimat der Schwesterlichkeit
Grândola, sonnengebrannte Stadt

In jeder Ecke, ein Freund
in jedem Gesicht, Gleichheit
Grândola, sonnengebrannte Stadt
Heimat der Geschwisterlichkeit

Heimat der Geschwisterlichkeit
Grândola, sonnengebrannte Stadt
In jedem Gesicht, Gleichheit
das Volk hat die Macht

Im Schatten einer Korkeiche
die ihr Lebensalter nicht kannte
Schwörte ich als Gefährtin
Grândola, nach deinen Wunsch

Grândola, nach deinen Wunsch
schwörte ich als Gefährtin
Im Schatten einer Korkeiche
die ihr Lebensalter nicht kannte

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