
Österreich rüstet auf ■ Die Bundesregierung beschließt, den Wehrdienst um drei Monate zu verlängern.
Von Anne Rieger Unsere Zeit UZ , Wochenzeitung der Deutschen Kommunistischen Partei 7. August 2026
„Die österreichische Gewerkschaftsjugend spricht sich klar gegen eine Wehrdienstverlängerung aus. Für junge Menschen zählt heute jeder Monat. Späterer Einstieg ins Berufsleben, weniger Einkommen, mehr Unsicherheit – das sind die realen Folgen einer Dienstverlängerung.
Wer von ‚Pflicht‘ spricht, verschweigt, dass hier Lebenszeit genommen wird“, so Matthias Hauer, Bundessekretär der Gewerkschaftsjugend des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, zur Wehrdienstverlängerung.
Ende Juli 2026 hatte die schwarz-rot-pinke Regierungskoalition nach monatelangen Verhandlungen – in den Sommerferien – verkündet, den Wehrdienst wieder zu verlängern, von sechs auf neun Monate. An die sechs Monate sollen sich nun drei Monate Truppenübungen anschließen. Zudem soll der Zivildienst von neun auf „freiwillige“ elf Monate verlängert werden. In Österreich gilt seit 1955 die Wehrpflicht, seit 2006 dauert der verpflichtende Grundwehrdienst nur noch sechs Monate. Bei der 2013 erfolgten Volksbefragung votierten 60 Prozent für die Beibehaltung von Wehrpflicht und Zivildienst und 40 Prozent für ein Berufsheer.
Die Grundwehrdiener Vergütung soll von 625 auf 1.000 Euro monatlich erhöht und Urlaubstage eingeführt werden. So hofft man, Verweigerer zu überzeugen
Noch fehlt die Zustimmung der Abgeordneten. Um den Zivildienst zu verlängern, braucht es eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist sich sicher, die Opposition, Grünen oder FPÖ, dafür gewinnen zu können: „Es ist zu wenig, neues Gerät anzuschaffen, wenn die SoldatInnen im Ernstfall zu wenig Übung im Umgang damit haben.“
Damit wird klar, um was es geht: Junge Menschen sollen „feldverwendungsfähig“ werden, so die Wehrdienstkommission. Sie sollen an den komplexen Mordgeräten, die über den „Aufbauplan 2032+“ des Bundesheeres angeschafft werden, ausgebildet werden. Mit dem schon 2019 – weit vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine – unter dem grün-affinen Verteidigungsminister und ehemaligen Adjutanten von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Thomas Starlinger, beschlossenen Plan werden die Militärausgaben von 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 2 Prozent im Jahr 2032 gesteigert. Von damals 2,8 Milliarden Euro werden sie im Jahr 2028 auf 5,43 Milliarden beinahe verdoppelt. Das Militärressort war beim diesjährigen Haushalt fast das einzige, das zusätzlich Geld erhielt, während in den anderen Bereichen gekürzt wurde.
Das neutrale Österreich rüstet weiter auf. „Wir haben schon jetzt das höchste Wehrbudget aller Zeiten“, jubelt ÖVP Verteidigungsministerin Klaudia Tanner
„In den nächsten Jahren werden wir die Finanzmittel aufgrund der jüngsten drastisch krisenhaften Entwicklungen aber weiter aufstocken. “ So warten von Österreicherinnen und Österreichern bezahlte Sky-Shield-Komponenten (6 Milliarden Euro), Kampfjets (7,4 Milliarden), Drohnen, Radpanzer, Skyranger und anderes Mordgerät, um von jungen Österreichern bedient zu werden.
Ministerin Tanner sieht die Widersprüche und sorgt vor. Es müsse ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit einer funktionierenden Landesverteidigung geschaffen werden. So würden aktuell 600 Informationsoffiziere bereits in der Volksschule für die „Förderung der geistigen Landesverteidigung“ arbeiten.
„Die Grundwehrdienstverlängerung ist nicht nur ein Schritt in Richtung NATO-Integration Österreichs, sie ist ebenso ein einschneidender Lohnraub an der Jugend, um die Lücken im zersparten Gesundheits- und Sozialsystem zu füllen“, stellt Georg Walcher, Vorstandsmitglied der Kommunistischen Jugend Österreichs Steiermark, die Zusammenhänge her.
Anne Rieger ist bundesdeutsche und österreichische Friedensaktivistin. Sie ist Mitglied im Landesvorstand der Gewerkschaftlichen Linksblok GLB in der Steiermark und im erweiterten Bundesvorstand des GLB.
