Bücher kaufen und essen gehen

© Walter Lohmeyer. Sandra und Bernhard

Wie’s ist soll’s nicht bleiben Es gibt Erfreuliches zu berichten, in einer von (Corona-) Krisen geschüttelten Welt. Als Beispiel: die Buchhandlung Riedl, im 8.Bezirk, genauer in der Alser Straße 39.

Mit offenen Augen von Waltert Lohmeyer UHUDLA Ausgabe 115 / 2021

Ein Gespräch mit Buchhändler Sandra und Bernhard über Gegenwart und Zukunft ihres Geschäfts und in der Branche.

Erzählt ein wenig über Euch, Euren beruflichen Werdegang, die Liebe zu den Büchern. Wie ist es zur „Buchhandlung Riedl“ schlußendlich gekommen …

Bernhard: In den späten 1980ern war es für Maturant(Innen) noch möglich, die Buchhandelslehre von drei auf ein Jahr zu verkürzen. Das eben begonnene Studium war für mich eher frustrierend, also nahm ich die Gelegenheit wahr und absolvierte die Ausbildung. „Nach einigen Jahren des „Praktikums“ in verschiedenen Buchhandlungen, wollte ich selbständig agieren, mein eigener Herr sein. Die finanziellen Ressourcen waren gegeben und dem „Buchhändler Bernard Riedl“ stand nichts mehr im Wege.
Sandra: Während meines Studiums suchte ich eigentlich nur einen Ferialjob, um die Finanzen aufzubessern, blieb aber dann „bei den Büchern“ hängen, finalisierte trotzdem die Uni und holte anschließend meine Lehrabschlussprüfung als Buchhändlerin nach.-That’s it.

Was wird, generell, gelesen, was bevorzugt die Leserin, der Leser.
Sandra: Eindeutig Literatur. Und da zählt vor allem die Beratung. Wir haben KundInnen, die uns schon seit 20 Jahren treu sind, da weiß man auch die Geschmacksrichtung der (des) Betreffenden. Nicht selten kommt es vor, dass sie oder er trotz alledem einen „Seitensprung“ wagen, um uns dann zu bestätigen: Sie hatten recht, das war wirklich nicht nach meiner façon.
Bernhard: Was aber auch für uns spannend und interessant ist, sind die kleinen Verlage, die eher unbekannten AutorInnen, die uns faszinieren, dem lesenden Publikum einmal näher gebracht, auch großen Zuspruch finden. Wir lassen, jedes Jahr, einen kleinen Katalog mit unseren Empfehlungen drucken. Der findet großen Zuspruch.

Sprechen wir über die „Corona-Zeit“, aber auch über die Zeit danach: was hat sich, was wird sich in der Zukunft für den Handel im Allgemeinen, für die Buchhändler(in) im Speziellen verändern.
Bernhard: Man sollte etwas nicht außer Acht lassen, dieses Chaos, mit all den Lockdowns, und Verordnungen, betrifft ja nicht nur Österreich, sondern umspannt die ganze Welt – und das schon seit über einem Jahr. Dieses isoliert leben müssen, dieses Abschotten, diese Angst, die Verunsicherung, die da mitspielt. Das wird uns lange Zeit in Schach halten.

So wie es vor Corona war, wird es auch im Buchhandel mit Sicherheit nicht mehr sein

Wir müssen erst lernen, mit dieser Krankheit zu leben. Was mit Sicherheit auch nicht zur Beruhigung und zur Stabilisierung der Situation beiträgt ist, das beinahe täglich, neue Erkenntnisse von irgendwelchen selbsternannten „Experten“ publiziert werden (die sich dann als vollkommen überzogen oder einfach als falsch herausstellen) und dass eine sehr gefährliche und unberechenbare Krankheit „politisiert“ wird, um daraus einen Profit zu schlagen.
Sandra: Wir durften, Gott sei Dank, in der Phase der Lockdowns unser Bestell-und Abholservice anbieten. Was vielen anderen ja nicht möglich war. Und das Interesse an persönlicher Beratung hat, gerade in der Zeit der Isolation dazu geführt, dass neue KundInnen die „kleinen Geschäfte von nebenan“ wieder entdeckt haben, vielleicht auch, um die Kommunikation zu finden, aber sicher auch, um sich mit den Dingen zu versorgen, die ihnen einfach wichtig sind. Das soll natürlich nicht verdrängen, dass die Online-Riesen gigantische Umsätze haben und hatten.
Bernhard: Doch auf längere Sicht hin wird der Greisler, die Blumenhandlung, die Vinothek, der Bücherladen im Bezirk, aufgewertet werden und auch überleben können. Die mittelgroßen und großen Geschäfte allerdings (ohne persönliche Beratung, ohne entsprechende Ausbildung) werden auf lange Sicht hin, schon Probleme bekommen. Ganz schlimm wird es für Gastro-und Hotellerie-Betriebe werden. Da wird sich Einiges abspielen-Leider.

Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft
Sandra & Bernhard: Tja, das normale Leben, wie alle andern wahrscheinlich auch. Dass uns die Freude an den Büchern bleibt, dass wir gesund und entspannt in Pension gehen können. Vorher aber: eeendlich wieder einmal Abendessen gehen zu dürfen und unseren Urlaub in Italien verbringen.

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