Leben in Würde und Gleichheit

Zum Frauentag 8. März Herausforderungen und Mobilisierung der portugiesischen Einwandererfrauen im Kampf  für Gleichberechtigung.



Von Seyne Torres Avante!, Nr. 2675 vom 6. März 2025  übersetzt von Bruno

Einwandererfrauen sind in Portugal besonders stark betroffen von den Problemen, mit denen eigentlich alle Frauen zu kämpfen haben, die als ihre einzige Einkommensquelle ihre Arbeit haben.

Es ist ein Beispiel für die schreiende Ungerechtigkeit, die vorherrscht und von dem Vielen, das noch zu tun ist, um eine tatsächliche effektive Gleichstellung der Frau zu erreichen, sodass sie in allen Bereichen des gesellschaftlichen Daseins als vollwertiges Mitglied teilnehmen kann.

Die Einwandererfrauen sind einer doppelten Ausbeutung unterworfen – sowohl als Klasse als auch als Frau –, das zeichnet sich durch die Ungleichheit und Diskriminierung aus, die sie dadurch erleiden, dass sie die Sprache des Landes, in dem sie leben, nicht sprechen; dass sie auf der untersten Stufe des Prekariats arbeiten müssen; dass sie die niedrigsten Löhne erhalten; dass ihnen der Zugang zu würdigem Wohnen verweigert wird. Dies alles verdammt sie zu Armut und zum Ausschluss von einem Leben in Würde.

Nichtsdestotrotz garantieren Frauen – einschließlich der Immigrantinnen – das Funktionieren der Gesellschaft in zahlreichen Bereichen: laut Einwanderungsbehörde AIMA stellten Immigrantinnen 2023 über 47 Prozent der Einwanderer insgesamt und 36,7 Prozent der Arbeitskräfte ausländischer Nationalität. Sie arbeiten ganz überwiegend im informellen Sektor – Hauswirtschaft oder Hilfsdienste wie Reinigung und Besorgungen, Hotellerie und Gastronomie –, wobei sie sich mit unterdurchschnittlichen Löhnen und prekären Verträgen zufriedengeben müssen. Hinzu kommt die allgemein herrschende Diskriminierung, dass sie als Frau weniger verdienen als die Männer in entsprechender Stellung.

Arbeitende Frauen – sowohl Immigrantinnen als auch Einheimische – sehen sich hoher Arbeitsbelastung zu ungeregelten Arbeitszeiten ausgesetzt, ohne dass Rücksicht auf ihre Elternschutzzeiten genommen wird, was eine sinnvolle Verbindung des Arbeitslebens mit dem Privatleben verhindert und die Teilnahme am sozialen, kulturellen und politischen Leben erschwert. Wenn dann zu all dem noch die mangelnde Beherrschung der portugiesischen Sprache (und selbst des Englischen) hinzukommt, so wird dadurch der Zugang zu anspruchsvoller, qualifizierter Arbeit und zu hilfeleistenden Stellen beschränkt. Dies führt zu der misslichen Lage von Frauen, die dem höchsten Ausmaß an Ausbeutung ausgesetzt sind, deren Verletzlichkeit extrem ist und denen der Zugang zu ihren Rechten verunmöglicht wird.

Die Einwandererfrauen tragen ein erhöhtes Risiko, was häusliche Gewalt, Menschenhandel und/oder sexuelle Ausbeutung sowie moralische oder sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz angeht, was auch oftmals noch durch prekäre Arbeitsverträge verschärft wird

Sehr oft sind sie auch finanziell von Ehemännern oder Arbeitgebern abhängig, wie bei häuslicher Arbeit; hinzu kommt auch noch der Mangel an Informationen über ihre Rechte oder speziell für sie vorhandene Hilfsdienste (wie Schutzräume für Opfer häuslicher Gewalt). Dies alles zwingt sie dazu, missbräuchliche Bedingungen zu akzeptieren, sowohl im Arbeitsleben als auch im Familienleben.

Hindernisse und Einschränkungen

Wenn bei Einwanderern die rechtliche Aufenthaltslage im Land nicht geklärt ist, sehen sie sich mit Einschränkungen beim Zugang zu grundlegenden Diensten (Gesundheitswesen, Bildung, angemessenem Wohnraum, Sozialversicherung) konfrontiert. Dies zeigt sich, wenn Frauen die Notaufnahme in Krankenhäusern verweigert wird, wenn sie keine medizinische Betreuung während der Schwangerschaft bekommen (und dann wundert man sich über den Anstieg der Kindersterblichkeit!) sowie, wenn es ihnen gelingt, in das staatliche Gesundheitswesen zu gelangen, dass sie diagnostische Untersuchungen selbst bezahlen müssen; dass ihnen ein Schwangerschaftsabbruch verweigert wird, bzw. sie einer demütigenden Behandlung unterzogen werden; dass ihnen eine Behandlung im Falle weiblicher Genitalverstümmelung versagt wird. Weiterhin gibt es Beschränkungen beim Zugang zu staatlicher Unterstützung im Falle von Mutterschaft und beim Erlangen von Sozialleistungen, selbst wenn sie arbeiten und Beiträge zur Sozialversicherung bezahlen.

Das sind die Frauen, die seit über zwei Jahren darauf warten, dass von der Einwanderungsbehörde AIMA, bei der über 400.000 Verfahren anhängig sind, über ihr Verfahren entschieden wird. Deswegen ist es unbedingt erforderlich, so schnell als möglich über diese Fälle zu entscheiden. Diese juristische Unsicherheit ist die Ausgangslage, die verantwortlich ist für ihre Ausbeutung und den Vorbehalt ihrer Bürgerrechte.

Im Leben und im Kampf vereint gegen rechte Politik

Die PSD/CDS-Regierung hat mit Unterstützung ihrer Verbündeten Rückschritte im Bereich der Errungenschaften und Werte der Nelkenrevolution, zu denen auch die Rechte der Frau gehören, durchgesetzt. Sie verfolgt eine Politik, welche die Ungleichheit und Diskriminierung der Frauen fördert und ihre Gleichstellung im Leben verhindert: sie weigert sich, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern; während sie auf der anderen Seite Maßnahmen ergreift, um das staatliche Gesundheitswesen SNS abzuschaffen und es in private Hände zu übergeben; sie tut alles, um das Recht auf Wohnraum abzuschaffen; sie weigert sich, Laufbahnen und Berufe anzuerkennen (im Gesundheitswesen, Bildungsbereich und weiteren öffentlichen Diensten); besteht darauf, Immigranten für nationale Probleme verantwortlich zu machen. Mit ihrer gegen die Einwanderer gerichteten Demagogie will sie eine Änderung der Einwanderungspolitik rechtfertigen sowie den rassistischen und fremdenfeindlichen Diskurs vorantreiben.
Der beschleunigte Lebensrhythmus – aufgrund der niedrigen Löhne reicht ein Arbeitsverhältnis nicht aus, um über die Runden zu kommen; die Bewältigung der häuslichen Aufgaben; fehlende Unterstützung bei der Betreuung von Kindern, alter Menschen und Behinderter – lässt es nicht zu, dass Frauen (Immigrantinnen wie Einheimische) ausreichend Zeit zur Verfügung steht, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Der Kampf der Einwandererfrauen kann nicht nur für das nackte Überleben geführt werden, sondern muss auch für ein Leben in Würde und Gleichheit, für die Verteidigung ihrer Rechte, für das Eintreten für ihre Gemeinschaft, für das Einbringen ihrer Erfahrungen geführt werden.

Der 8. März ist der Internationale Kampftag für das Eintreten für die Rechte der Frau, es ist der Tag des Zusammenwirkens aller Frauen, die sich der Gleichberechtigung verschrieben haben. Deswegen ist es auch in der gegenwärtigen Zeit wichtig, an der Nationalen Demonstration für Frauenrechte, die von der demokratischen Frauenvereinigung MDM organisiert wird, teilzunehmen.

Bruno ist Aktivist der Linken Deutschsprachigen Freunde Lagos LDFL. Er hat den portugiesischen Avante-Text übersetzt.

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