
Argentinische „Che Woche” ■ Die Online-Zeitung der Kommunistischen Partei Argentiniens (PCA) hat anlässlich des 57. Jahrestages der Ermordung von Ernesto Guevara am 9. Oktober 1967 zu einer ‚Che-Woche‘ aufgerufen. Dieser Bitte bin ich sehr gerne nachgekommen.
Beitrag von Michael Wögerer, Österreich für Nuestra Propuesta (Argentinien), 16. Oktoner 2024
Meine Reflexionen über die Figur des argentinisch-kubanischen Revolutionärs.
Ich war 16 Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit Che Guevara in Berührung kam. Sogar hautnah.
Doch damals wusste ich noch nicht, wer dieser ‚Che’ überhaupt war
Wie viele Jugendliche in der Pubertät, wollte auch ich gegen die Ordnung in Schule und Gesellschaft rebellieren und tat dies ausgesprochen oberflächlich: Lange Haare, laute Musik und den ersten Tabak rauchen.
Durch Zufall entdeckte ich im Kleiderschrank meines älteren Bruders ein rot-schwarzes T-Shirt mit dem Konterfei eines rebellischen Mannes auf der Vorderseite und – für mich damals viel wichtiger – einem aufmüpfigen Spruch auf der Rückseite: “fuck you i wont do what you tell me” stand da und das fand ich damals ziemlich passend, um es beinahe täglich für die Schule anzuziehen.
Zu meinem Missfallen ignorierten die Lehrer meine ‘revolutionäre Verkleidung’, bis zu jenem Tag, als mich meine progressive Englisch-Professorin fragte, ob ich denn überhaupt wisse, wer dieser Mann auf meinem T-Shirt sei? Ich verneinte, stotterte und antwortete schließlich, dass es sich vermutlich um den Sänger dieser US-Band ‘Rage against the machine’ handelt, die dieses T-Shirt als Merchandising-Artikel verkauft.
Meine Lehrerin schmunzelte. Sie hatte meine Oberflächlichkeit enttarnt und verriet mir, dass es sich dabei um das berühmte Bild Guerrillero Heroico von Ernesto Guevara handelt. Als ‘kleine Strafe’, was sich später als große Belohnung herausstellen sollte, bekam ich die Aufgabe in zwei Wochen ein Referat über den Mann auf dem T-Shirt zu halten. So lernte ich Ernesto Guevara de la Serna aus Rosario kennen und diese Begegnung veränderte mein Leben.
Denn ich kann von Glück sprechen durch Che auch auf die Geschichte der kubanischen Revolution und die Idee des Sozialismus gestoßen worden zu sein. Meine oberflächliche Rebellion verwandelte sich dadurch in ein tiefgründiges Wissen über die Notwendigkeit des Kampfes der Menschheit für Freiheit und Gerechtigkeit.
Che Guevaras beeindruckende Lebensgeschichte, seine unkonventionelle Art, seine Zähheit im Umgang mit seiner Asthmaerkrankung, seine leidenschaftlichen Reden und Tagebucheinträge, sein internationalistischer Kampf gegen das Establishment und oftmals gegen Windmühlen sowie nicht zuletzt sein früher, gewaltsamer Tod mit 39 Jahren machten ihm zu einem Vorbild der progressiven Jugend weltweit.
Che Guevara hat nicht nur zu Lebzeiten die Gesellschaft geprägt
Besonders in Kuba und weltweit wurde der Revolutionär zu einem Symbol vieler weiterer Generationen für den Kampf gegen die herrschende Wirtschaftsordnung. Sein Bild ging um die Welt und sein Kampf für Gerechtigkeit motivierte unzählige junge Menschen auf diesem Planeten, ebenfalls gegen Unterdrückung, Krieg und Ausbeutung auf die Barrikaden zu steigen.
„Seien wir realistisch. Versuchen wir das Unmögliche.“ Dies ist wohl eines der berühmtesten Zitate von Ernesto Che Guevara. Er will uns damit sagen, dass wir nicht müde werden sollen, für eine gerechte Welt zu kämpfen. Egal an welchem Ort! Egal wie aussichtslos es erscheinen mag!
Che Guevara ist Symbol der Jugend, die sich gegen die herrschende Wirtschaftsordnung zur Wehr setzt und Symbol eines Kampfes, der solange Ausbeutung und Unterdrückung in dieser Welt herrscht, solange die Menschen nicht frei über ihr Schicksal entscheiden und in Frieden leben können, niemals zu Ende geht. Wir wären nicht im Kapitalismus, wenn dieser nicht auch dieses Symbol vermarktet.
Neben den T-Shirts für rebellische Jugendliche, wie ich damals einer war, gibt es heutzutage alle möglichen Produkte, die mit dem berühmten Korda-Foto versehen sind: Kaffeetassen, Baseball-Kappen, Zigaretten – ja sogar Che-Taschentücher habe ich schon gesehen. Es ist zum Weinen!
Aber noch besteht die Hoffnung, dass auch die heutige Jugend von aufmerksamen Erwachsenen aus ihrer oberflächlichen Rebellion entrissen wird und den wahren, revolutionären Kern Che Guevaras entdeckt.
¡No jugamos como seamos el Che! (Spielen wir nicht so, als wären wir Che!)
¡Seamos como el Che! (Lasst uns wie Che sein!)
Die Reise von Michael Wögerer im Überblick.
Titelbild: Merchandise T-Shirt der linken, US-amerikanischen Rockband Rage Against the Machine (Netzfund)
