Der Schrei nach Erntehelfern

Migrant workers harvesting tomatoes
Migrant workers harvesting tomatoes in Italy, June 2012

Gemüsebauern in Corona-Panik ■ Wie schnell sich die Ansichten in Coronazeiten ändern: von unqualifizierten ErntehelferInnen zum „Fachpersonal“.
„Wir hoffen, dass die Politik, mit der wir in Kontakt sind, einen Korridor an den Grenzen ermöglicht, sodass unser Fachpersonal aus Rumänien und der Ukraine einreisen kann.“, appeliert die Zunft der österreichischen AgrarierInnen an ihre politischen Standesvertreter.

Von Sonia Melo

Der Schrei der Gemüsebauern und -bäuerinnen nach Erntearbeiterhelfern, die angeblich „fehlen“ ist nicht neu. Sklaven auf Italiens Feldern, ein UHUDLA Artikel aus dem Jahre 2015

Lange vor Corona, seit Jahren schreiendie Agrarlobbyisten, sie haben nicht genug Leute, die diese Arbeit machen.

„Die Radieschen und Spargel bleiben am Feld“ hören wir seit Jahren von Produzenten, ob industriellen Unternehmen, die die ohnehin niedrige kollektivvertragskonformen Löhnen nicht einhalten, ob kleinere Betriebe, die mit den Marktpreisen nicht mithalten können.

Was am Feld fehlt, sind nicht ErntearbeiterInnen, sondern gute Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung, die dieser harten Arbeit entspricht

Fast alle ErntearbeiterInnen in Österreich kommen aus dem Ausland. Warum? Weil die Arbeit hart und schlecht bezahlt ist. Weil sie keine tolle Arbeit „in der frischen Luft“ ist, wie manche Bauern und Bäuerinnen sie zynisch beschreiben. „ÖsterreicherInnen haben nach wenigen Tagen Rückenschmerzen und wollen den sehr harten Job nicht mehr machen“, hat vor Jahren Alfred Unmann, Geschäftsführer der Tiroler Gemüsebauern, damit begründet, warum die Mehrheit der ErntehelferInnen MigrantInnen sind.
Gebückt auf allen Vieren über 12 Stunden am Tag, unter der prallen Sohne, bei Regen…
Wer macht diese Arbeit für einen mageren Stundenlohn von etwa sieben Euro (wenn überhaupt), wenn er/sie Alternativen hat.

„Man dürfe die Arbeit nicht unterschätzen oder romantisieren.“ und man solle „bereit sein, die Arbeit längerfristig zu machen“. Was damit gemeint ist: harte Arbeit, Wochen oder sogar Monate lang ohne freien Tag, 300 Stunden monatlich. Für sehr wenige Euro in der Stunde, und manchesmal noch weniger wenn im Akkord geschuftet wird..

Was die Produzenten meinen, wenn sie beklagen, es fehlen ErntearbeiterInnen ist: es fehlen uns prekäre, „billige“ ArbeiterInnen aus dem Ausland, die ihren Arbeitsvertrag nicht lesen können und auch wenn, die die schlechte Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen, weil sie keine Alternativen haben. Was uns fehlen sind Leute, die sich mit weniger Geld als das was auf dem Lohnzettel steht, abspeisen lassen und diesen trotzdem unterschreiben.

Kommentar verfassen