Ein Blutbad in Pieringsdorf

© Harald Weidinger. „Volle Hütte” im Gemeindesaal.

I. Zeitungsdokument ■ Ein magyarisch, esterhazyscher Förster ermordet grundlos einen deutschen Dorfbewohner und wird von der erbitterten Menge erschlagen.

Aus „Der freie Burgenländer“ vom 15. Juli 1923

Vor etwas mehr als einem Jahr war es als sich „Der freie Burgenländer“ausführlich mit brutalen Übergriffen, die sich einzelne magyarische Organe der Gutsverwaltung des Fürsten Esterhazy im Bezirke Oberpullendorf zuschulden kommen ließen, beschäftigte und das dringende Verlangen nach sofortiger Entfernung dieser Unmenschen stellte.

Leider wurde unserem Rufe seitens der kompetenten Behörden nicht die genügende Aufmerksamkeit geschenkt.

Bis aufs Blut quälen und peinigen

Diese „fürstlichen” Bedrücker konnten ruhig und ungestört weiter ihren Dienst machen, der darin bestand, die Bevölkerung bis aufs Blut zu quälen und zu peinigen.

Erst vor einigen Monaten wurde gegen einen, der es am ärgsten trieb, dem Förster Josef Györki, der in der Gegend von Piringsdorf und Steinberg Dienst machte, eine provisorische Verfügung des Bezirkshauptmannes Dr. Hagenauer hinausgegeben, wonach ihm der Waffenpaß und das Dienstgewehr abgenommen werden sollte. Györki war sehr verhaßt und hatte sich eine Reihe von Übergriffen zuschulden kommen lassen, die die Bevölkerung der ganzen Gegend gegen ihn sehr erbitterte. Er war auch vor nicht allzulanger Zeit wegen eines Übergriffes zu einer kurzen Arreststrafe verurteilt worden.

Ob nun diese provisorische Verfügung des Bezirkshauptmannes Dr. Hagenauer seitens der mit ihrer Durchführung betrauten Organe wirklich duchgeführt wurde oder nicht, das wissen wir nicht. Wohl aber wissen wir, daß Györki am Sonntag dem 8. Juli neuerlich harmlose beerenpflückende Kinder behelligte, ihnen die mühselig geglaubten Früchte abnahm und sie ins Dorf eskortierte wo ihn der Besitzer Schlögl ersuchte den Kindern wenigstens die Gefäße, in denen sie die Beeren gesammelt hatten zurückzugeben.

Die Antwort des Bluthundes Györki bestand darin, daß er den Schlögl mit seinem Dienstgewehr einfach niederschoß.

Zu spät, ein tragisches Geschick

Über diese erbärmliche Hinschlachtung eines Dorfkindes war die Dorfbevölkerung aufs tiefste empört, sie rottete sich zusammen und verfolgte den flüchtenden Förster bis in den nahen Wald, wo sie ihn einholte, entwaffnete und lynchte, so daß er tot am Platze liegen blieb. Landeshauptmann Dr. Rausnitz begab sich Dienstag auf den Tatort um sich über den Stand der Dinge, vor allem der Untersuchung zu informieren und eventuelle Maßnahmen zu treffen.

Ein tragisches Geschick verdient es wohl genannt zu werden, daß gerade zu der Stunde, als die Nachricht über den Vorfall in Pieringsdorf einlief, seiten der Landesregierung ein Erlass an die Oberpullendorfer BH hinausging der die provisorische Verfügung des Bezirkshauptmannes Dr.Hagenauer zu einer definitiven machte. Zu spät…….

Die Gendarmerie hat bereits einige Verhaftungen vorgenommen und sucht derzeit noch nach weiteren Teilnehmern des Volksgerichtes, das über Györki gehalten wurde.

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Ein Gedanke zu “Ein Blutbad in Pieringsdorf

  1. […] Nach der bürgermeisterlichrn Begrüßung las Autor Herbert Kurzmann einen dokumentarischen Text aus dem „Freien Burgenländer” vom 15. Juli 1923. Eine Woche nach dem Mordanschlägen betitelte diese Zeitung den Artikel mit „Ein Blutbad in Pieringsdorf”. […]

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