Der Schoß ist fruchtbar noch, …

© Avante Nr. 2677

Nein zur faschistischen Rührseligkeit ■ Die Union der Antifaschistischen Portugiesischen Widerstandskämpfer (URAP) hat kundgemacht, dass der Bürgermeister der Gemeinde Santa Comba Dão (von der „sozialistischen“ PS) zusammen mit bekannten Forschern zur zeitgenössischen Geschichte, die wissen, was der Faschismus war und welche Verbrechen er begangen hat, ein Projekt wiederaufnehmen will, das die ehemalige Schule in der Heimat des faschistischen Diktators nutzen will, um dort ein Pseudo-„Forschungszentrum“ zum faschistischen „Estado Novo“ einzurichten, das, obwohl sie das Gegenteil behaupten, nur dazu dient, ein kriminelles Regime und die finstere Figur des Diktators Salazar weißzuwaschen.

Von Manuel Rodrigues Avante!, Nr. 2677 vom 20. März 2025 übersetzt von Bruno

Es ist nicht das erste Mal, dass solch ein Projekt vorgeschlagen wird. Zuerst war es das Projekt eines Salazar-Museums, welches durch die entschlossenen Proteste Tausender von Antifaschisten, die von der URAP mobilisiert worden waren, verhindert werden konnte, sodass das Rathaus dieses Projekt „aufgab“.

Nachdem einige Zeit vergangen war, tauchte ein neues Projekt des Rathauses auf, dieses Mal waren Forscher der Universität Coimbra involviert und es sollte „Interpretationszentrum des Estado Novo“ heißen

Und ein zweites Mal erhoben die Aktivisten der URAP und viele weitere Demokraten ihre Stimme, um die wahren Absichten der Befürworter bloßzustellen. Nach langem Kampf, vielen Aufklärungsveranstaltungen, Protestaktionen und der Eingabe einer Petition im portugiesischen Parlament konnte auch dieses Projekt erneut „gestoppt“ werden.

Nun jedoch, nachdem es schien, dass das Vorhaben erledigt wäre, wird das Vorhaben, vielleicht weil man sich bessere Aussichten erhofft, wieder aus der Mottenkiste hervorgeholt und das Rathaus kommt erneut daher, um das Projekt wiederzubeleben. Ein Projekt, das in der Praxis nur dazu dient – da können sie Gegenteiliges behaupten, was sie wollen -, um Pilgerreisen von Ewiggestrigen zu fördern sowie Geschichtsfälschung zu betreiben, um den Faschismus von seinen Verbrechen weißzuwaschen.

Und wieder erheben die Aktivisten der URAP ihre Stimme, um darauf hinzuweisen, dass, wenn sie den Leuten näherbringen wollen, was das faschistische Regime war, es wichtiger ist, an diejenigen zu erinnern und sie zu ehren, die gegen die damalige Unterdrückung gekämpft haben. Hierfür könnte man, neben den Erinnerungsstätten, die es schon gibt (Aljube-Museum in Lissabon, Nationalmuseum des Widerstands und der Freiheit in Peniche), Erinnerungsstätten in der ehemaligen Festung von Angra de Heroismo auf den Azoren und im ehemaligen Gefängnis der Geheimpolizei PIDE in Porto einrichten (dies sind Orte, an denen Tausende von ehemaligen politischen Gefangenen die Brutalität des faschistischen Gefängnissystems erleiden mussten).

Die URAP fordert, dass den Ewiggestrigen, wie sie ständig verlangen, keine Räume zur Verfügung gestellt werden.
Ein treffender Appell zu einer Zeit, wo im Lande, in Europa und in der Welt überall reaktionäre, faschistische Ideen und Projekte auftauchen, sich die Konflikte in die Länge ziehen und wo immer mehr anstatt von Frieden, von Militarismus und Krieg die Rede ist und auch darauf zurückgegriffen wird.

Und wenn wir schon von Erinnerung reden, warum nicht die warnenden Verse von Brecht über den Nazi-Faschismus zitieren?

„So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert –
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“

Bruno ist Aktivist der Linken Deutschsprachigen Freunde Lagos LDFL. Er hat den portugiesischen Avante-Text übersetzt.

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