
Adieu, Fritz! ■ Eine wichtige Stimme ist verstummt – Persönlicher Nachruf auf Fritz Edlinger (1948-2024) von Michael Michael Wögerer, zur Zeit in Südamerika unterwegs. (Siehe Abenteuerreise des Miguel W.). Und von Hannes Hofbauer und Stefan Kraft für den Promedia Verlg.
Frühmorgens in Santiago de Chile erhielt ich von meinem Freund David die traurige Nachricht, dass Fritz Edlinger in der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember unerwartet verstorben ist. Nach einer Notoperation im Krankenhaus ist er nicht mehr aus dem Tiefschlaf aufgewacht. Er wird mir und vielen anderen sehr fehlen!
Fritz war für mich ein väterlicher Freund, ein Genosse und Kampfgefährte für eine bessere Welt
Wir waren uns darin einig, dass es notwendig ist die Menschen ausführlich und hintergründig über das, was da draußen passiert zu informieren. Für Fritz endete „da draußen“ aber keineswegs an den österreichischen Grenzen. Er war durch und durch Internationalist, was in seinem Herzensprojekt, der Zeitschrift International (seit 1979), auch deutlich zum Ausdruck kommt.
Fritz musste sich über vieles ärgern – in den letzten Jahren ganz besonders über seine Partei, die SPÖ, welche sich – trotz manchem Hoffnungsschimmer zwischendurch – weiterhin konstant von ihren zentralen Werten entfernt – insbesondere in der Friedens- und Neutralitätspolitik. Doch seine oft grummelige Art und sein wunderbarer Zynismus sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in ihm ein unermüdlicher Optimist und Kämpfer schlummerte. Allen Rückschlägen zum Trotz, fasste er immer wieder Mut und blickte positiv nach vorne – sowohl im publizistischen als auch im politischen Bereich.
So bereitete es ihm sichtlich Freude, dass der youtube-Kanal der Zeitschrift International stetig größere Verbreitung fand und sich in der sozialdemokratischen Initiative Aktiv neutral – Für Frieden, Sicherheit und Souveränität zahlreiche Genossinnen und Genossen zusammengefunden hatten, um sich der ‚Zeitenwende‘ entgegenzusetzen, was innerhalb der SPÖ auch teilweise mit Erfolg gekrönt war.
In den vergangenen Jahren haben sich Fritz und ich regelmäßig persönlich ausgetauscht, telefonisch oder in einem traditionellen Wiener Kaffeehaus. Dabei habe ich sein Engagement, seine Ideen und seine Ratschläge mehr und mehr zu schätzen gelernt. Ich bin sehr froh, dass wir uns im August vor meiner Abreise nach Lateinamerika nochmals im Frauenhuber getroffen haben – dass es das letzte Mal war, macht mich tief traurig. Wir werden dich vermissen, Fritz!
Nachruf für Fritz Edlinger von Hannes Hofbauer und Stefan Kraft für den Promedia Verlag
Fritz Edlinger ist tot. Er starb im Zuge eines dringend notwendig gewordenen medizinischen Eingriffs in Wien. Noch am Tag zuvor arbeitete er in der Redaktion der von ihm geleiteten Zeitschrift „International“. Die Art seines Ablebens spiegelt sein Leben wider: Buchstäblich bis zum letzten Atemzug engagierte er sich für den Frieden in der Welt und insbesondere im Nahen Osten.
Geboren 1948, trat Edlinger früh der Sozialistischen Partei Österreichs bei, der er zeitlebens die Treue hielt, auch wenn sich seine Partei – wie er oftmals betonte – von ihren Grundsätzen über die Jahrzehnte immer weiter entfernte. Die Tugenden von Alt-Bundeskanzler Bruno Kreisky, der innenpolitische Sozialpolitik mit außenpolitischer Solidarität verband, machte sich Fritz Edlinger zur Lebensaufgabe. Er verstand Österreich als geopolitische Brücke zwischen dem transatlantischen Westen und dem Globalen Süden, mit besonderem Augenmerk auf die arabische Welt. Dafür kämpfte er in seiner Partei, dafür schrieb er sich in der Zeitschrift „International“ die Finger wund und dafür fungierte er als Herausgeber einer fast unüberschaubaren Anzahl von Büchern.
Als Generalsekretär der „Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ füllte er jene Leerstellen, die die österreichische Diplomatie seit dem Beitritt des Landes zur Europäischen Union mehr und mehr hinterlässt. Gegen Ausritte des aktuellen Außenministers Alexander Schallenberg wie das Hissen einer israelischen Fahne während der Bombardierung des Gazastreifens oder die zweimalige Ablehnung einer UN-Resolution für einen Waffenstillstand in Gaza trat Fritz Edlinger wortstark auf und kritisierte sie heftig.
In den letzten Monaten war Edlinger häufig auf Kongressen zum Nahen Osten oder auf Kundgebungen gegen die völkermörderische Politik Israels zu sehen. Anfang September 2024 stellte er seine jahrzehntelange außenpolitische Erfahrung als Podiumsdiskutant auf einem beeindruckenden Palästina-Solidaritätskongress in Wien-Favoriten zur Verfügung; immer wieder trat er als Redner bei Kundgebungen gegen „die brutalen Schlächter“ in Israel – wie er das Netanjahu-Regime nannte – auf und forderte Frieden für Palästina und den Nahen Osten.
Neben seinem diplomatischen und politischen Engagement trat Fritz Edlinger noch als Herausgeber von Büchern zu Palästina, Syrien, Libyen, der Sahel-Zone und der Golfregion in Erscheinung. Von insgesamt neun bei Promedia erschienenen Titeln war ihm besonders die Geschichte eines Weltkonflikts ans Herz gewachsen, die er mit „Palästina – Hundert Jahre leere Versprechen“ überschrieb.
Sein Tod hinterlässt gerade in der heutigen Zeit eine enorme Lücke. Sein politisches und schriftliches Vermächtnis wird uns Hinterbliebenen indes noch lange als Grundlage für den weiteren Kampf um Frieden dienen und Mut machen, ihn so konsequent zu führen, wie es Fritz Edlinger getan hat.
Titelbild: Fritz Edlinger, Votivkino (26.11.2024); Foto: Dieter Reinisch
