Der Gallier aus Austria

K_Berger
© Karl Berger

Widerstand mit bunten Bildern ■ „Ich habe 1971 mit 18 Jahren angefangen Cartoons zu zeichnen, habe mich immer politisch engagiert. Die Zeichnungen waren anfangs vom Satiremagazin Pardon beeinflußt. Später bin ich der KPÖ beigetreten und habe bis zu meinem Austritt 1990 regelmäßig für die kommunistische Tageszeitung Volksstimme gezeichnet”, erinnert sich Karl Berger.  

 Portrait über den Zeichenware-Cartoonisten von Martin Wachter im UHUDLA Ausgabe 111 / 2019.

Karl Bergers Name ist auch seit drei Jahrzehnten mit dem UHUDLA verbunden. Immerhin sind Schriftzug und Logo der ältesten rebellischen Straßenzeitung Österreichs ein Werk des gelernten Graphikers und Absolventen der Höheren Graphischen Bundes-, Lehr- und Versuchsanstalt in Wien Penzing.
UHUDLA Titel-Geschichte Karl Berger Seite 4 und 5

Seine Cartoons, Comic-Strips und Karikaturen zierten viele Seiten der 111 Ausgaben unserer Zeitschrift. In der vorletzten gedruckten Ausgabe des UHUDLA würdigen wir Bergers künstlerisches Schaffen mit einem Schwerpunkt seiner Arbeit.

Politische Zeichnungen gegen die schwarz-blaue Regierung erregten vielerorts große Aufmerksamkeit

Seit 2017 veröffentliche Karl Berger Cartoons auf seiner Facebook-Seite. Damit erreicht der begnadete Zeichner mit spitzer Feder nur Facebook-User. Auf diesem Weg hat der malende Weltverbesserer eine ziemlich gute Kontrolle welche Zeichnungen bei seinem Publikum besser ankommen und welche weniger. Bezeichnend für politische österreichische Verhältnisse ist eine fehlende linke Wahlalternative. Berger sei Dank! wird diese gravierende Lücke wenigstens mit „linken” bunten und widerständigen Bildern gefüllt.
„Es war sehr schnell klar, dass Zeichnungen, die sich gegen die Regierung von Sebastian Kurz & Heinz Strache richten wesentlich mehr geteilt und geliked wurden als andere. Das kommt auch meiner politischen Meinung entgegen, weil ich diese Regierung als asoziales, fremden-, frauen- und arbeiterfeindliches Übel empfinde. So wurden die regierungskritischen Cartoons mein Arbeitsschwerpunkt, beziehungsweise mein Hobby, denn seit Anfang 2018 bin ich Rentner”, so umreißt der gelernte Graphiker seine vielseitige und umfangreiche Tätigkeit.
„Wir leben in einer Welt der extremen Arbeitsteilung. Im kleinsten Produkt, steckt die Arbeit unzähliger Menschen, die an der Entwicklung, der Produktion, der Verpackung, dem Transport, dem Verkauf beteiligt sind. Dieser globalen Kooperation, diesem gemeinschaftlichen Erarbeiten der gesellschaftlichen Werte, steht der Privatbesitz an Produktionsmitteln gegenüber, der zu einem mörderischen Konkurrenzkampf führt und zur Konzentration des gesellschaftlichen Reichtums bei einer winzigen Minderheit”, analysiert der engagierte „Strichmandlzeichner das Weltgeschenen.

Vieles was in manchen Fällen schnell zu sagen und zu zeichnen wäre, könnte strafbare Folgen haben

Karl Bergers Denkweise ist dialektisch und weit entfernt von einem Kurzschluss. Logischerweise schlußfolgert der kreative Zeichenwarenhersteller von widerständigen Bildern: ”Dieses Wirtschaftssystem hat eine äußerst aggressive Phase erreicht. Den globalen Kapitalismus, der längst zum Hindernis einer gedeihlichen menschlichen Entwicklung geworden ist, diesen absurden Antagonismus müssen wir überwinden. Nur dann werden wir unsere gesellschaftlichen Probleme lösen können”. Es kommt nicht darauf an die Welt zu verstehen, sondern sie durch aktives Handeln zu verändern.
Karl Berger ist nicht nur ein guter Cartoonist, dem nicht alles Wurscht ist. Er ist ein engagierter politischer Kämpfer für eine bessere Welt und besonders für soziale Gerechtigkeit. „Oft denke ich, ich sollte schneller mit einer Zeichnung reagieren, aktueller sein. Zum Beispiel zu Sebastian Kurzens niederträchtigem Bashing der BezieherInnen von Mindestsicherung, und seine noch fiesere Verteidigung dieses Bashing (Interview-Bild nächste Seite links oben). Aber: so einen kalten, glatten Zynismus habe ich in den 50 Jahren, in denen ich Politik beobachte und erleide, noch nie erlebt”.
Ein Zitat zu seinem Cartoon auf der UHUDLA Homepage Kurz und die Kunst der Verhetzung in der Rubrik Weltanschaung, Kommentare & Essays. Als Draufgabe die Begründung des Bergerischen Urteils: „Vieles was ich dazu schnell sagen und zeichnen könnte, wäre strafbar. Diese von Sebastian Kurz mit Unschuldsmiene vorgetragene Perfidie, die in scheinbar nichtssagenden Sätzen nachtritt, dieser scheinbar rechtfertigende Erklärungsversuch, der noch eins drauflegt, und bei dem noch mitschwingt, dass er selbst böswillig mißverstanden worden sei, also auf durchaus elegantere Weise als seine „Mimimi“-Kollegen von der FPÖ, gleichzeitig Opfer und souveräner Angreifer sein kann, das ist schon große Kunst. Die Kunst der Verhetzung, der Manipulation, der Gefühlskälte und des Auseinanderdividierens, bei gleichzeitiger Selbstüberhöhung. So etwas gilt wohl als „großes politisches Talent“.
Was zeichnet Karl Berger zu Sebastian Kurz Sagers (Bild unten links): „Wir haben gesehen, dass diese Politik 2015, diese angebliche Seenotrettung nicht dazu geführt hat, dass weniger Menschen ertrunken sind, sondern sie hat dazu geführt, dass mehr Menschen dadurch ertrunken sind. Man soll die Menschen nicht anlocken, damit sie sich in diese gefährliche Situation bringen”. Und ein Wastl Kurz Wahlkampagne-Propaganda-Slogan: „Immer wieder, immer wieder Tal Silberstein (Bild unten rechts) geht auch noch.
Eineinhalb Jahre lang hat der in Wien lebende Cartoonist Karl Berger die autoritär-konservative Wende in Österreich zeichnerisch begleitet. Dann war die Kurz Ära zu Ende. Rücktritt des Vizekanzlers nach unfreiwilligem Ibiza-Outing, parlamentarisches Misstrauen gegen Kurz und Konsorten, Drei-Tages-Interimsminister und Beamtenkabinett.

„Kurzschluss”, würdigt den Erfolg einer spitzfindig gezeichneten Bilderserie österreichischer Politik

Gegen die Vergänglichkeit hat der Promedia Verlag Karl Berger Cartoons in Form eines 88seitigen Zeichenhefts erscheinen lassen. Die abgedruckten Bilder haben die wirren Zeiten überlebt. Sie erzählen von einem gnadenlosen Experiment an der lebenden Gesellschaft, von der Einführung des 12-Stunden-Arbeitstages mit Ausbauplänen auf 60-Stunden-Woche, dem Gesetz zur Kleiderordnung für unsere Kleinsten (wenn sie Mädchen und muslimisch sind), der verdeckt geführten Schlacht um Österreichs Geheimdienst bis zum Generalangriff der schwarz-blauen Rechtsregierung auf das öffentliche Gesundheitswesen.
„Kurzschluss” bringt nach dem Ende des Kurz/Strache Wahnsinns eine Auswahl der besten Cartoons des bekannten Zeichners.
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass Karl Berger ein eindeutiger Gegner rechter Politik ist. „Wenn die SPÖ in Opposition ist, gibt es auch da eine Teilübereinstimmung meiner bildnerischen gezeichneten Kunst. Das trifft aber auf die Grünen, die KPÖ, die Liste Jetzt oder Arbeiterkammern und Gewerkschaften genauso zu”, erklärt der Zeichner seine Bereitschaft für wen er Auftragsarbeiten übernehmen würde.

Karl Berger
ist seit 45 Jahren als Cartoonist, Comiczeichner und Layouter tätig. Veröffentlichungen unter anderem in der Kronen Zeitung (Berger: „Ich war jung und brauchte Geld“), Kurier „(Ich hatte Familie und brauchte noch immer Geld“), Extrablatt und vor allem in der Volksstimme. Seit 1997 Mitarbeiter der Wiener Straßenzeitung Augustin. Bei Promedia erschien 1987 auch das Buch „Große Gefühle“.

Den Bilderkünstler im Internetz:
http://www.facebook.com/Zeichenware/
http://www.facebook.com/karl.berger.1297

 

KurzschlussKurzschluss

Karl Bergers Cartoons aktivieren die Lachmuskel. Auf Facebook folgen über 10.000 AbonnentInnen seine zeichnerischen Abrechnungen mit dem politischen Unrat. Selbst HC Strache – who’s that? – adelte auf seiner FB-Seite Bergers Werk: Mit dreimal „widerlich“ und einmal „widerwärtig“ ließ er sein Publikum wissen, dass er den politischen Gegner stets im Visier hat.

Karl Berger, Kurzschluss
© Promedia
http://www.mediashop.at/
ISBN: 978-3-85371-463-8
19 x 19. gebunden, bebildert
88 Seiten, Preis 14,90 Euro

 

3 Gedanken zu “Der Gallier aus Austria

  1. […] So geht eine Karl Berger Titelseite ■ „Für die vorletzte UHUDLA Ausgabe 111 in der mir und meinem Buch „Kurzschluss” netterweise zwei Seiten widmet, durfte ich auch das Cover zeichnen”, verkündet der Cartooinist auf seiner Internetzseite Karl Berger Cartoons sein UHUDLA Engagement. Den Taxt dazu: Der Gallier von Austria. […]

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