
Nahost-Konflikt Mantras ■ Mantra: (…) oft wiederholtes Wort oder Ausdruck in Dicionário Priberam (Wörterbuch der portugiesischen Sprache)
Von Gustavo Carneiro Avante!, Nr. 2608 vom 23. November 2023
Mantras sind mannigfaltig und nicht wenige Male ausgeklügelt, die Techniken der Manipulation von Informationen.
Durch reine Unterdrückung von Fakten und wichtigen Ereignissen, durch Vollmüllen des Medienspektrums mit sorgfältig aufgrund ihrer Willfährigkeit (und allein wegen ihr) ausgewählten „Experten“ wird auf vielfältige Art und Weise ein gleichgeschaltetes Denken konstruiert. Unkritisch, zusammenhangslos und vor allem alternativlos.
Eine der Methoden basiert auf unermüdlicher Wiederholung von Worthülsen und Ideen (welche ungenau, konfus und falsch sind), authentische Mantras, die sich in Nachrichten, Reportagen, Interviews und Kommentaren wiederfinden.
Das zur Zeit im Gazastreifen stattfindende Massaker bietet uns diesbezüglich aufklärende Beispiele. Sehen wir uns einige an:
Der am 7. Oktober durch den Angriff der Hamas ausgelöste Konflikt…, das wiederholen Moderatoren, Reporter, Journalisten und Kommentatoren ständig. Die Absicht ist klar erkennbar und das Resultat eindeutig: den Beginn eines Geschehens auf den passendsten Zeitpunkt festlegen, dadurch wird – im Fall des Mittleren Ostens – jahrzehntelange Besatzung, Unterdrückung, Apartheid und Massaker ausgeblendet, was sich in den letzten Jahren nur noch verschlimmert hat und wobei Israel der Übeltäter und nicht das Opfer ist (auch wenn dabei auch Israelis ums Leben kommen). Wer versucht, gegen diesen aufgezwungenen Einheitsbrei anzureden, wird beschuldigt, das Vorgehen der Hamas zu relativieren oder zu rechtfertigen. Und hiervon zu einem Unterstützer des Terrorismus ist es nur ein kleiner Schritt…
In engem Zusammenhang mit dem Vorigen steht auch ein anderes eingehämmertes Mantra der letzten Wochen: Israel hat das Recht, sich zu verteidigen. Angesichts des Holocausts werden alle vom Staate Israel begangenen Verbrechen als defensiv dargestellt: die Bombardierungen von Krankenhäusern, Krankenwagen, Schulen und Stadtvierteln; die Verwendung von weißem Phosphor; die Gefangennahme von Minderjährigen; die Zerstörung palästinensischer Häuser. Wer es wagt, dies an den Pranger zu stellen, handelt sich den Vorwurf ein, Antisemit zu sein.
Und selbst die Formel Krieg zwischen Israel und der Hamas, was man jeden Tag hören und lesen kann in Fußnoten, Titeln und Kommentaren, stellt eine Verdrehung der Tatsachen dar: es handelt sich in Wahrheit um keinen Krieg, so schreiend ungerecht, wie die Mittel und Kräfteverhältnisse verteilt sind, noch ist er gegen die Hamas gerichtet, sondern gegen das palästinensische Volk. Noch war die Bewegung des Islamischen Widerstands nicht geboren als schon die Nakba, das Massaker von Deir Yasin, die militärische Besatzung von ganz Palästina stattgefunden hatten… Und wie soll es möglich sein, die ständige Unterdrückung und Kolonisierung im Westjordanland und Ost-Jerusalem sowie das stattfindende Blutbad im Gazastreifen auf die Hamas zu beschränken? Bei dem jetzigen Konflikt sind innerhalb von etwas mehr als 40 Tagen bereits mehr als 13.000 Menschen (darunter 5.500 Kinder) umgebracht worden und mehr als eineinhalb Millionen auf der Flucht.
Nein, dies ist kein Krieg. Dies ist ein Massaker und Besatzung… Beim Kampf für einen Frieden im Mittleren Osten und für ein unabhängiges Palästina wird auch kritisches Denken verteidigt. Und unsere Menschlichkeit.
Bruno, Übersetzung des portugiesischen Textes aus der „Avante”, Wochenzeitung der Kommunistischen Partei PCP.
