Gerächt bis in den Tod

© Karl Berger

Historische Erzählung ■ Sonntag, 8. Juli 1923, Piringsdorf. Am Abend um halb acht Uhr reißt der Förster Janos Koth seine Puschka von der Schulter.

Wild Ostwest Roman von Herbert Kurzmann und Max Wachter

Wie ein Peitschenknall rollen der Schuss und das Echo durch das Dorf. Am Anger, in der untergehenden Sonne sinkt der tödlich ins Herz getroffene Gustl Hamer zu Boden. Die staubige, schmale Straße vor seinem Haus färbt sich blutrot. Die anwesenden Zaungäste erstarren vor Entsetzen und können das Geschehene nicht fassen.

Eine Erzählung über wilde Zeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer Grenzregion zwischen Österreich und Ungarn. Die Schilderung einer Tragödie, über Klassenkampf & Rebellion, eine Auseinandersetzung von Gut und Böse …

Einleitung – Wild-Ost-West Roman der UHUDLA edition

Die historische Erzählung aus dem Jahr 1923 schildert 100 Tage einer Piringsdorfer Tragödie

Die Grenzregion war nach dem Zerfall der kaiserlich und königlichen Monarchie eine umstrittene und gesetzlose Gegend. Nach der 1919 gescheiterten ungarischen Räterepublik füllten Horthys Freischärler und paramilitärische Heimwehrtruppen das politische Vakuum. Die hügelige und dicht bewaldete Region um Sopron und Köszeg, Ödenburg und Güns, blieben bei Ungarn.

Im Zentrum des Grenzgebietes um das Günser Gebirge und den Ausläufern der Buckligen Welt liegt Piringsdorf: Ein abgeschottetes Dorf, links und rechts der Rabnitz. Der Ort gehörte, wie das Burgenland bis 1921 als Deutsch-Westungarn zu Ungarn. Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierung der Budapester Regierung der ungarische Ortsname Répczebónya verwendet werden.

Der querende Fluss des Dorfes ist die Rabnitz, welche in Ungarn bei Györ in die Donau mündet. Die Nachbargemeinden Rattersdorf und Liebing wurden erst Ende 1923 in Österreich eingegliedert. Im Waldgebiet hinter Piringsdorf verlief die Staatsgrenze, die Trennlinie von Ost und West.
Im Jahr 1923 zählte Piringsdorf 951 Einwohner. Das war die höchste statistisch ausgewiesene Zahl. Nach den zwei in der Erzählung geschilderten Mordopfern gab es ein geringfügiges Auf und Ab, insgesamt rückläufig. 2022 lebten 843 hauptgemeldete Menschen in Piringsdorf.

Der Ort an der Rabnitz ist eine raue Gegend, eingeklemmt in die politischen und gesellschaftlichen Wirren nach dem Ersten Weltkrieg. Ein Mord und ein nicht ganz geklärter „Lynchtod” hielten im Sommer 1923 Piringsdorf in Bann.

Am Ende der Erzählung, im Anhang, gibt es eine Erklärung, wie Piringsdorf tickt, um die Zusammenhänge des Dorflebens besser zu verstehen.
Autor Herbert Kurzmann, Jahrgang 1953, hat Material über die Ereignisse gesammelt. Der Förster Janos Koth hat vor 100 Jahren, am hellichten Tag, Gustl Hamer grundlos gekillt. Das Opfer dieses brutalen Mordes war Herberts Urgroßvater. Die Schwester von Herbert Kurzmanns Mutter ist die Frau des Onkels des Co-Autors Martin Wachter geb. Weidinger Jg. 1953.

Die vorliegende Niederschrift ist eine Aufarbeitung eines Teils unserer Familienchronik. Die Basis der folgenden Erzählung beruht teilweise auf Fakten, Protokollen, Zeitungsartikeln und überlieferten Nacherzählungen. „Gerächt bis in den Tod” ist auch mit fiktiven Passagen aufgemotzt.
Es liegt an der Leserin und dem Leser, den Inhalt nach Belieben zu interpretieren. Die vorliegende Publikation soll trotz Dramatik auch für Unterhaltung sorgen.

Herbert Kurzmann & Max Wachter

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