
Portugal Hitory ■ Der konterrevolutionäre Aufstand vom 11. März 1975 war erfolglos.
Von José Augusto Esteves Avante!, Nr. 2676 vom 13. März 2025 übersetzt von Bruno
Am 11. März vor 50 Jahren sah sich die Nelkenrevolution zum dritten Mal innerhalb von weniger als einem Jahr einem konterrevolutionären Putschversuch – einem klassischen Militärputsch – in größerem Ausmaß ausgesetzt.
Unter Leitung von General Spínola wird ein Plan zur Besetzung von der Revolution treu ergebenen militärischen Einheiten in Gang gesetzt, der nur durch das entschlossene Eingreifen von Militärangehörigen der Bewegung der Streitkräfte (MFA) als Verbündete der Volksmassen nicht in seiner ganzen Tragweite zur Geltung kam: es war der Versuch mittels von in Tancos, der Garnison, welche der konterrevolutionäre General als Kommandozentrale für seinen Putschversuch gegen den Befreiungsprozess der Aprilrevolution ausgewählt hatte, stationierten Fallschirmjägereinheiten die bedeutende Militäreinheit – RALIS – von Lissabon zu besetzen, zu bombardieren und zur Kapitulation zu zwingen.
Dieser Putsch hatte dieselben Ziele vor Augen wie die im Juni und September 1974 unternommenen und gescheiterten Umsturzversuche, die unter dem Namen Palma-Carlos-Putsch und Putsch der „schweigenden Mehrheit“ in die Geschichte eingingen: eine Beschneidung der Freiheiten, die Auflösung der Bewegung der Streitkräfte (MFA), ein Einhalten beim Prozess der Entkolonialisierung, ein Verschieben der Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung sowie die Durchsetzung einer ausgehandelten provisorischen Lösung mit der Absetzung der im Amt befindlichen Regierung und dem Ausgrenzen der kommunistischen Partei PCP.
Es handelte sich dabei nicht um eine isolierte Handlung, ein allein von den militärischen Kräften vorbereiteten Putsch, sondern um eine lang vorbereitete politische und diplomatische konterrevolutionäre Offensive, an der sich im Zusammenwirken mit den übelsten faschistischen und reaktionärsten Kräften politische Parteien beteiligten, die sich demokratisch nannten und in der III. Provisorischen Regierung von Vasco Gonçalves vertreten waren: die einen, wie PPD/Sá Carneiro, handelten offen; andere, wie PS/Mário Soares versteckt und camoufliert, wie man heute weiß, handelten sie im Hintergrund mit regelmäßigen Kontakten zu Spínola selbst.
Die Offensive nahm äußerst gewalttätige gegen die Kommunisten und gegen die Regierung gerichtete Formen an
Die konterrevolutionären Aktionen entwickelte sich gleichzeitig mit wachsenden und intensiven konzertierten Aktionen wirtschaftlicher und finanzieller Sabotage durch die großen monopolistischen Wirtschaftsunternehmen und die agrarischen Großgrundbesitzer, die in permanenter Verschwörung miteinander verbunden waren, wodurch eine geordnete Produktion im Lande verhindert wurde. Die alten Herren und Führungskräfte der Diktatur setzten nicht nur auf eine Verschlimmerung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation, nein, sie finanzierten auch gegenrevolutionäre Kräfte wie faschistische und reaktionäre Parteien.
Durch diese äußerst destabilisierende und provokatorische Aktion sollte ein Klima des Chaos und der Unsicherheit im Lande geschaffen werden. Durch maßlose Intrigen gegen die Bewegung der Streitkräfte (MFA), durch eine Vielzahl von gegen die Regierung gerichtete Demonstrationen sollten die gesellschaftlichen Konflikte bis zur Spitze getrieben werden. Verantwortlich für diese zunehmenden Provokationen war das Unternehmertum, das auch von linksradikalen Kräften unterstützt wurde.
Vom misslungenen Putsch zur revolutionären Dynamik.
So wie der 11. März eine neue Stufe im Bereich der konterrevolutionären Eskalation bedeutete, so hatte sein Scheitern auch tiefgreifende Auswirkungen auf den weiteren Gang der demokratischen portugiesischen Revolution: es festigte die eroberten Freiheiten, verstärkte die Einheit von Volk und MFA, führte mit der Schaffung des Revolutionsrates zu einer Institutionalisierung der Bewegung der Streitkräfte. Diese neuen Gegebenheiten, verbunden mit einem plötzlichen Erstarken der revolutionären Kräfte, schlagen sich nieder in einem rasanten Fortschreiten des revolutionären Prozesses.
In einer Entscheidung des Revolutionsrates wurden am 13. März Banken und Versicherungen verstaatlicht
Diese Verstaatlichungen wurden schon in einem langen zähen Kampf von den Arbeitern als Antwort auf Betrug und Sabotage gefordert. Dies war eine unverzichtbare Maßnahme zur Verteidigung der Revolution und ein Meilenstein auf dem neu eingeschlagenen Weg zu Gunsten der Arbeiter, des Volkes und des Landes. Und es sollte nicht lange dauern, dass diese Maßnahme auf die grundlegenden Bereiche der nationalen Wirtschaft ausgedehnt wurde, wodurch die wirtschaftliche Macht der monopolistischen Unternehmen sowie diese selbst liquidiert wurden, was einen äußerst harten Schlag gegen den portugiesischen Monopolkapitalismus bedeutete. Ebenso erfährt die Agrarreform, welche von den Landarbeitern in den Gebieten des Großgrundbesitzes in die Wege geleitet wurde, einen starken Impuls nach vorne und es entwickelt sich eine neue Dynamik, was zur Verabschiedung des Gesetzes zur Agrarreform führt. Diese Entscheidungen und historischen Errungenschaften markieren eine wahrhaftige Wende der portugiesischen Demokratie hin auf den Weg zum Sozialismus.
Neue Gegenoffensive
Leider dauert es nicht lange, dass die konterrevolutionären Kräfte im Dienste der Monopole und der Großgrundbesitzer ihr verschwörerisches Unterfangen wiederaufnehmen und eine neue konterrevolutionäre Gegenoffensive in die Wege leiten, welche in einem neuen Putsch am 25. November 1975 gipfelt. Dieser Putsch war aber wenigstens nicht in der Lage zu verhindern, dass die Portugiesische Verfassung der Republik verabschiedet wurde, worin all diese bedeutenden revolutionären Errungenschaften festgeschrieben wurden.
Bruno ist Aktivist der Linken Deutschsprachigen Freunde Lagos LDFL. Er hat den portugiesischen Avante-Text übersetzt.
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