Sichelschmiede neu geschliffen

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Iraschko, Pechlander, Nußbaumer, Resch. © Weidinger

Sechs Jahre Werkl im Goethehof Das Schild über der roten Tür beweist, dass man hier richtig ist. Die Tafel besagt „Werkl im Goethehof“ und die Unterzeile verspricht „Kulturelle Freiräume“. Daneben eine Kunstschrift: „Sichelschmiede“. Das 2012 reaktivierte Werkl bietet ein breites Spektrum an Kleinkunst; offene Bühne und offenes Mikrofon inklusive.

Ein Bericht von Karl Weidinger, erschinen in der UHUDLA Ausgabe 110/2019

„Der Werkl-Frei-Raum ist vieles gewesen, auch Polizei- und Tuberkulosestation während der Zeit des roten Wien“, sagt Doris Nußbaumer, Vorstand im Kulturverein. Der Raum ist definitv eine rassismusfreie Zone.

Und in weiterer, logischer Folge auch frei von Konsumzwängen. Das Werkl steht für basissolidarische Zusammenarbeit bei feministischer Grundhaltung.

Der Kultur Freiraum kommt an und funktioniert gut

Menschen mit geringem Einkommen soll durch Wegfall von Konsumverpflichtung die Teilnahme am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben ermöglicht werden.
Das Werkl im Goethehof ist mit der roten U1-Linie leicht zu erreichen. Bis zur Station “Kaisermühlen, Vienna International Center” fahren, aussteigen und dann bis zur Schüttaustraße 1-39 gehen. Fünf Minuten von der UNO-City entfernt, gibt es hier eine der schönsten Kleinbühnen Wiens zu entdecken.

Das Werkl agiert im Goethehof, dem über Transdanubien hinaus bekannten Gemeindebau mit 650 Wohneinheiten. 1930 wurde der Bau besiedelt und im Februar 1934 heftig umkämpft. Der Hof geriet unter Beschuss. Hier befand sich eine Bastion des Schutzbunds, eine Hochburg der Sozialdemokratie. Auch ein Vorzeigekindergarten der Stadt Wien – nach der revolutionären Montessori Pädagogik.

Die Fassade wurde bis Anfang des Jahres 2019 renoviert. Die Rückseite des Hofes ist zur Alten Donau hin offen zum beliebten “Kaiserwasser”. Weit über die Grätzelgrenzen bekannt wurde der Gemeindebau durch Ernst Hinterbergers „Kaisermühlen Blues“. Hier residiert das Werkl und ist seit mehr als 6 Jahren aktiv. Es stemmt sich der Verwertungslogik im Kulturbetrieb entgegen. Steht für “wahre Kultur” und keinesfalls für die „Ware Kultur“. Und das muss im überschaubaren Rahmen bleiben.

Im November 2018 kümmerte man/frau sich um „100 Jahre Frauenwahlrecht“. Der Kampf um gleiche Bürgerrechte wurde von Elfie Resch präsentiert. Sie wacht über die feministischen Agenden, auf dass „die Sichtbarkeit der Frauen nicht zu kurz kommt“. Eine kulturelle Zeitreise aus widerständiger Vergangenheit in die Zukunft. „Unter dem besonderen Aspekt der Lebens- und Arbeitsbedingungen widerständiger Frauen.“

2017 war dem „runden Hunderter“ der „Oktoberrevolution“ gewidmet. 2018 stand unter dem Planungspunkt „Widerstand gegen rechts: gestern, heute, morgen“. Kulturarbeit gegen die rechtskonservative Verdummung.
Da gibt es noch genug zu tun. Aber auch für das bedingungslose Grundeinkommen, für Systemüberwindung in einer solidarischen Gesellschaft, die auch die Umwelt achtet.
„Wenn wir von rechter Politik und Kultur sprechen, dann meinen wir das mehr und mehr um sich greifende im Überlebenskampf vieler Menschen erzwungene Prinzip extrem egoistischer Verhaltensweisen“, lautet ihre treffende Analyse. „Linke Politik ohne begleitende, adäquate kulturelle Arbeit ist langfristig zum Scheitern verurteilt, also wollen wir emanzipatorische Aufklärungsarbeit in die linke Kulturarbeit einbringen.“

Eine „Waffe“ gegen die rechtsrechte Verblödung

Vera Albert ergänzt und unterstützt in kulturellen, organisatorischen und künstlerischen Belangen das Team. Sie ist im Vorstand – und noch unterwegs. Wer zu spät kommt, den bestraft nicht das Leben, sondern der ist nicht auf dem Foto drauf. Bei Veranstaltungen ist sie immer pünktlich, sagen die anderen. Sie sorgt fürs Licht und den guten Ton und ist selbst bei Lesungen dabei. Das Werkl kooperiert mit der Lebenshilfe und dem Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB. Es gibt eine offene Bühne und mindestens ein offenes Mikrofon.

Dafür ist Wolfgang Pechlaner zuständig. Für die Technik und den Audiobereich, aber auch das Webdesign so wie für alles, was mit EDV und Schriftverkehr zu tun hat.
„Das Publikum soll aus dem umliegenden Gemeindebau kommen, dafür ist es ja da – das Publikum, aber auch das Werkl“, sagt der soeben eingetroffene Michael Broz vom GLB, der immer unterstützt und auch zuletzt bei der gelungenen Renovierung mitwirkte. Somit bleibt die ehemalige Sichelschmiede – frisch geschliffen und neu nachgeschärft – auch weiterhin eine wirksame „Waffe“ gegen die grassierende rechtsrechte Verblödung im Volk.

Josef Iraschko ist Generation 70plus – und einer der wenigen kommunistischen Wiener Bezirksräte. Als Berater und Mietrechtsexperte hat er im Goethehof sein Betätigungsfeld. Das Selbsthilfe-Zentrum für MieterInnen (MSZ) besteht auf Initiative der KPÖ-Wien seit 20 Jahren. Mit seiner Erfahrung, die er als Obmann des “MieterSelbsthilfeZentrums” und als Bezirksrat in Wien Leopoldstadt erworben hat, liefert Josef Iraschko die juridischen Grundlagen. Kostenlose Beratungen finden jeweils donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr im Werkl statt.

Somit bleibt die ehemalige Sichelschmiede in Wien Donaustadt frisch geschliffen und neu nachgeschärft eine wirksame „Waffe“ gegen die grassierende rechtsrechte Regierungspolitik von Sebastian Kurz, Heinz Strache und Co

2 Gedanken zu “Sichelschmiede neu geschliffen

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